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Befähigen, befähigt werden, sich befähigen – Eine Auseinandersetzung mit dem Capability Approach

Gerechtigkeitstheoretische Überlegungen zur Sozialen Arbeit

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Miriam Lange

Ressourcenorientierung, Empowerment und Befähigung als Konzepte der Wertschätzung der Fähigkeiten von AdressatInnen finden in der Pädagogik zunehmend Beachtung. In diesen Diskurs reiht sich der Capability Approach ein. Der gerechtigkeitstheoretische Ansatz – vom Ökonomen Amartya Sen für die Armutsforschung entwickelt und von Martha Nussbaum sozialphilosophisch erweitert – wird zunehmend interdisziplinär rezipiert. Es geht darum, wie es Menschen gelingen oder möglich gemacht werden kann, das Leben so zu führen, wie sie es selbst wünschen. Die Studie geht der Frage nach, welche Handlungsmaximen für Pädagogik und Soziale Arbeit aus dem Verständnis von Befähigung abgeleitet werden können, untersucht den Capability Approach als eine Referenztheorie dafür und bestimmt Soziale Arbeit als Gerechtigkeitsprofession.
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2. Der Capability Approach

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Der Capability Approach wird im folgenden Kapitel als zentraler theoretischer Anker dieser Arbeit vorgestellt. Er kann als gerechtigkeitstheoretisches Konzept verstanden werden, das einen unverstellten Blick auf die Vielfalt menschlicher Bedürfnisse richten und jedem Menschen ein im – wie darzustellen sein wird – aristotelischen Sinne gutes Leben zu ermöglichen beabsichtigt. Der Capability Approach sieht dabei klassischerweise die jeweilige politische Organisationsform als Trägerin der sozialen Verantwortung für die BürgerInnen einer Gesellschaft vor, damit diese ein gelingendes Leben führen können; er nimmt Menschen jedoch auch als handelnde Subjekte wahr, die eigene, individuelle Vorstellungen und Lebensentwürfe verfolgen. Ausgangsbasis der Überlegungen, was ein als gut empfundenes Leben begünstigt, ist im Capability Approach die Möglichkeit der Realisierung von Lebensentwürfen und nicht – wie herkömmlicherweise häufig von Gerechtigkeitstheoretikern proklamiert – ausschließlich das ausreichende Vorhandensein oder die gerechte Verteilung materieller Güter (Dabrock 2008, S. 17ff; Heinrichs 2008, S. 58).

Der Capability Approach hat in den letzten Jahren auch in die Erziehungswissenschaft Einzug gehalten und wird dort vielfach diskutiert und zunehmend theoretisch rezipiert, wie eine Vielzahl an aktuellen Publikationen zeigt. Die Beschäftigung mit einer Gerechtigkeitstheorie liegt somit für die Soziale Arbeit neben ihren gegenwärtigen Umbrüchen auch angesichts der Tatsache nahe, dass sie sich hauptberuflich auch mit sozial schwächer gestellten Mitgliedern der Gesellschaft beschäftigt. Gerechtigkeit steht zweifelsohne – wie in der Einleitung bereits angeschnitten – immer in Zusammenhang mit dem Zusammenleben von Menschen einer Gesellschaft. Und da ein breiter Konsens dar...

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