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Südslawen und die deutschsprachige Kultur

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Anetta Buras-Marciniak and Marcin Golaszewski

Thema des Buches ist die gegenseitige Beeinflussung der deutschsprachigen und der südslawischen Kultur, ausgelöst durch die Migrationswelle der Südslawen in die deutschsprachigen Länder infolge des Krieges im ehemaligen Jugoslawien. Die Idee einer friedlichen Koexistenz mehrerer Nationalitäten in einem Staat sowie der Multikulturalitätsgedanke wurden durch den Krieg in Frage gestellt. Die daraufhin einsetzende Migrationswelle hat auch die Gesellschaftsstruktur der deutschsprachigen Länder gravierend beeinflusst. Im Buch wird einerseits das Kulturbild der Südslawen, das in Literatur und Kultur des deutschsprachigen Raums dokumentiert wird, andererseits das deutsche Kulturbild in der Literatur der Südslawen im 20. und 21. Jahrhundert eingehend untersucht.
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„Ich bin müde.“ Deutsche Motive in ausgewählten Texten von Dubravka Ugrěsić

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← 14 | 15 → Katarzyna Szczerbowska-Prusevicius

Universität Toruń

Im Jahre 1993 verließ die aufgrund ihrer antinationalistischen Haltung diskriminierte1 Dubravka Ugrěsić ihr durch den Krieg gespaltenes Heimatland und begab sich ins Exil. Ihr Schreiben ist seitdem von der Erfahrung der Entwurzelung geprägt, der sie durch das Konzept der „Archäologie des Alltags“2 entgegenzuwirken versucht. Sie analysiert die kulturellen Praktiken der Konstruktion und Auslöschung des Gedächtnisses und geht dem Prozess der narrativen Herstellung von Identität auf der Grundlage von Erinnerung3 nach. Das Trauma der Jugoslawienkriege, das sie auf ihren „Trümmer-Seiten“4 verarbeitet, stellt sie in den ← 15 | 16 → breiteren Kontext der europäischen Geschichte. Im Roman Museum der bedingungslosen Kapitulation und in der Essaysammlung Die Kultur der Lüge bedient sie sich dabei deutscher Motive, die vorwiegend mit der Stadt Berlin verbunden (dazu gehören räumlich-materielle Gegebenheiten, das Kulturleben, die Atmosphäre) oder auf der sprachlichen Ebene angesiedelt sind (in den kroatischen Text werden deutsche Wörter und Wendungen eingeflochten). Im vorliegenden Aufsatz soll die symbolische Aussage dieser Motive untersucht werden.

Ugrěsić aktiviert im Museum der bedingungslosen Kapitulation die mythisch gefärbte Vorstellung von Berlin als einem alternativen Freiraum: Berlin ist „eine Mutantenstadt“ und „[d]ie Geschichte des Transvestitentums […] die alternative Geschichte der Stadt Berlin“ (MK, S. 138). Ugrěsić benutzt den Begriff „Transvestitentum“ nicht in seiner exakten Bedeutung (als die Praxis, die Kleidung des anderen Geschlechts anzuziehen), sondern als eine Metapher für Andersartigkeit, Abnormität und...

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