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Südslawen und die deutschsprachige Kultur

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Edited By Anetta Buras-Marciniak and Marcin Golaszewski

Thema des Buches ist die gegenseitige Beeinflussung der deutschsprachigen und der südslawischen Kultur, ausgelöst durch die Migrationswelle der Südslawen in die deutschsprachigen Länder infolge des Krieges im ehemaligen Jugoslawien. Die Idee einer friedlichen Koexistenz mehrerer Nationalitäten in einem Staat sowie der Multikulturalitätsgedanke wurden durch den Krieg in Frage gestellt. Die daraufhin einsetzende Migrationswelle hat auch die Gesellschaftsstruktur der deutschsprachigen Länder gravierend beeinflusst. Im Buch wird einerseits das Kulturbild der Südslawen, das in Literatur und Kultur des deutschsprachigen Raums dokumentiert wird, andererseits das deutsche Kulturbild in der Literatur der Südslawen im 20. und 21. Jahrhundert eingehend untersucht.
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Vom Verlust bis zum Vergessen. Figur des Engels bei Peter Handke, Norbert Gstrein und Maja Haderlap

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← 210 | 211 → Davor Beganović

Universität Tübingen

Meine bisherigen Forschungen,1 die dem Krieg im ehemaligen Jugoslawien gewidmet waren, genauer, die sich mit der Rolle der Literatur und, allgemeiner, Kultur im Kriegskontext beschäftigt haben, haben mich zu einer Erfahrung geführt, welche nur auf den ersten Blick unheimlich anmutet. Nämlich der Erfahrung, dass die jugoslawischen Literaturen, die sich mit den traumatischen Kriegen beschäftigen, regelrecht heimgesucht werden von der Figur des Engels. Ich habe in diversen Texten versucht, auf diese merkwürdige Erscheinung eine plausible Antwort zu geben. Gelungen ist mir, so glaube ich eine Einbettung des Engels in zwei mit „post“ präfigierte Konstellationen. Erstens handelt es sich um die Postmoderne, zweitens um die Postapokalypse. Die Affinität dieser beiden zeitgenössischen, sagen wir: Zustände gegenüber Engeln und der Angelologie liegt auf der Hand. Die Postmoderne würdigt nun nach einer langen Zeit der Unpopularität eine rhetorische Figur (oder vereinnahmt sie), die in einer engen Verbindung mit Gottes Boten steht – nämlich die Allegorie. Engel werden oft als allegorische Wesen interpretiert, besonders was ihre zweifelhafte Beziehung zum Realen betrifft. Je mehr man sich historisch vom strengen christlichen Mittelalter entfernte, desto mehr rückten sie in den Vordergrund, als etwas Nahes, aber schwer Greifbares. Das bezeugt auch ihre Position in der Mitte (das Dritte in der Mitte, wie Perdita Rösch treffend formuliert),2 eine Position, die immer dazu neigt, die klare Beziehung zwischen Signifikant und Signifikat zu unterminieren, ← 211...

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