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Polens Staatlichkeit in sieben Jahrhunderten

Eine völkerrechtliche Analyse zur Staatensukzession

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Adrianna Michel

Das Buch befasst sich mit Polens Geschichte in den vergangenen 700 Jahren und geht der Frage seiner Staatlichkeit nach. In einem historischen Teil werden die seit dem 14. Jahrhundert vereinbarten Unionsabschlüsse mit Litauen, die Teilungen des Landes in den Jahren 1772, 1793 und 1795 und schließlich die staatliche «Wiedererrichtung» nach dem Ersten Weltkrieg vorgestellt. Anschließend beschreibt die Autorin die Voraussetzungen für die Entstehung und den Untergang von Staaten und deren Folgen, erforscht das Verhältnis von Effektivitäts- und Kontinuitätsgrundsatz und hebt die Bedeutung der normativen Kraft des Faktischen hervor. Unter Berücksichtigung des Grundsatzes tempus regit actum erfolgt in einem dritten Teil die völkerrechtliche Würdigung der Polen betreffenden territorialen und statusrechtlichen Veränderungen.
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2. Kapitel: Unionsstaat Polen-Litauen

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In der Geschichte Polens spielte neben der Dynastie der Piasten auch die der Jagiellonen eine entscheidende Rolle. Obwohl die jagiellonischen Herrscher nur knapp 200 Jahre Polen regierten, hinterließen sie dort viele Spuren und stellten wichtige Weichen für die Zukunft des polnischen Staates.110 Der Tod von Kasimir dem Großen im Jahre 1370 leitete einen Zeitraum wechselnder Staatsverbindungen Polens ein. Kasimir III. starb ohne einen Thronfolger zu hinterlassen, deswegen hatte er die Erbfolge durch einen Vertrag mit seinem Neffen, König Ludwig von Ungarn, geregelt.111 Die Regierungszeit König Ludwigs von Ungarn in den Jahren 1370 bis 1382 war für Polen weniger vorteilhaft, da die Interessen beider Reiche zu wenig übereinstimmten und Ludwig sich überwiegend in Ungarn aufhielt.112 Auch Ludwig starb ohne männlichen Thronfolger, sodass seine Tochter Jadwiga (Hedwig), die Nachfolge in Ungarn und Polen antrat.113

Jadwiga wurde im Jahre 1384 in Krakau zur Königin gekrönt. Voraussetzung für die Krönung Jadwigas war, dass sie ihre geplante Ehe mit Wilhelm von Habsburg aufgeben musste und stattdessen den litauischen Großfürsten Jagiełło114 heiraten ← 26 | 27 → sollte.115 Eine polnische Gesandtschaft verhandelte über die Heirat im Sommer 1385 in Litauen.116

Am 14. August 1385 begründete der Akt von Krewo117 das polnisch-litauische Großreich und damit die Jagiellonendynastie.118 Die Heirat zwischen Jadwiga und Jagiełło erfolgte schließlich im Jahre 1386.119 In dem Akt von Krewo120 erklärte Jagiełło sich bereit, sich und sein Volk taufen121 zu lassen, Litauen der...

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