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Polens Staatlichkeit in sieben Jahrhunderten

Eine völkerrechtliche Analyse zur Staatensukzession

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Adrianna Michel

Das Buch befasst sich mit Polens Geschichte in den vergangenen 700 Jahren und geht der Frage seiner Staatlichkeit nach. In einem historischen Teil werden die seit dem 14. Jahrhundert vereinbarten Unionsabschlüsse mit Litauen, die Teilungen des Landes in den Jahren 1772, 1793 und 1795 und schließlich die staatliche «Wiedererrichtung» nach dem Ersten Weltkrieg vorgestellt. Anschließend beschreibt die Autorin die Voraussetzungen für die Entstehung und den Untergang von Staaten und deren Folgen, erforscht das Verhältnis von Effektivitäts- und Kontinuitätsgrundsatz und hebt die Bedeutung der normativen Kraft des Faktischen hervor. Unter Berücksichtigung des Grundsatzes tempus regit actum erfolgt in einem dritten Teil die völkerrechtliche Würdigung der Polen betreffenden territorialen und statusrechtlichen Veränderungen.
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4. Kapitel: Die drei Teilungen des Unionsstaates Polen-Litauen

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Bei den drei Teilungen handelt es sich dem Wesen nach um zwei verschiedene Vorgänge: mit der ersten Teilung erfolgte lediglich eine Reduzierung des polnisch-litauischen Staatsgebietes, während die zweite und schließlich die dritte Teilung auf eine völlige Beseitigung des Staates hinausliefen.362

Modelle für eine Teilung Polens363 sind in Wien und in Potsdam schon zur Jahreswende 1768/69 im Gespräch gewesen. Der österreichische Kanzler Kaunitz legte im Dezember 1768 sein Projekt eines Bündnisses mit Preußen und dem Osmanischen Reich vor. Die Grundlage seines Projektes bildete ein territoriales Tauschgeschäft: Friedrich II. sollte von der Allianz mit Russland abgezogen und zugleich zur Rückgabe Schlesiens an Österreich bewogen werden.364 Im Gegenzug sollte Preußen zu Erwerbungen im Königlichen Preußen und in Kurland verholfen werden. Auf preußischer Seite stand diesem Projekt allerdings der sogenannte Lynarsche Plan vom Februar 1769 gegenüber.365 Friedrich der Große ließ seinen Gesandten in Petersburg den Vorschlag unterbreiten, ein Bündnis zwischen Russland, Preußen und Österreich gegen die Osmanen zu schließen und sich ferner gemeinsam durch ausgewogene Annexionen polnischer Territorien für die Kriegsaufwendungen schadlos zu halten.366 Wien reklamierte daraufhin die Notwendigkeit, seine Grenzen gegen ein Übergreifen der Kämpfe zu schützen und annektierte unter diesem Vorwand die polnische Grafschaft Zips.367 Im Rahmen der Verhandlungen zwischen ← 56 | 57 → Preußen und Russland konnte Heinrich, der Bruder des preußischen Königs Friedrich II., die Zarin schließlich im Oktober 1770 zu einer Teilung von...

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