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Polens Staatlichkeit in sieben Jahrhunderten

Eine völkerrechtliche Analyse zur Staatensukzession

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Adrianna Michel

Das Buch befasst sich mit Polens Geschichte in den vergangenen 700 Jahren und geht der Frage seiner Staatlichkeit nach. In einem historischen Teil werden die seit dem 14. Jahrhundert vereinbarten Unionsabschlüsse mit Litauen, die Teilungen des Landes in den Jahren 1772, 1793 und 1795 und schließlich die staatliche «Wiedererrichtung» nach dem Ersten Weltkrieg vorgestellt. Anschließend beschreibt die Autorin die Voraussetzungen für die Entstehung und den Untergang von Staaten und deren Folgen, erforscht das Verhältnis von Effektivitäts- und Kontinuitätsgrundsatz und hebt die Bedeutung der normativen Kraft des Faktischen hervor. Unter Berücksichtigung des Grundsatzes tempus regit actum erfolgt in einem dritten Teil die völkerrechtliche Würdigung der Polen betreffenden territorialen und statusrechtlichen Veränderungen.
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6. Kapitel: Freiheitskämpfe und Unabhängigkeitsbewegungen der Polen

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Die Polen hatten sich mit dem Verlust ihrer Staatlichkeit niemals abgefunden. Der Zeitraum vom Untergang bis zur Wiedererrichtung des unabhängigen Staates Polen im Jahre 1918 war daher von zahlreichen Kämpfen zur Erlangung ihrer Unabhängigkeit geprägt. Die Polen behielten ihr Nationalitätsgefühl und bewiesen, dass sie trotz fehlenden Staates als Nation niemals untergehen würden. Seit der Maiverfassung 1791 hatte sich in Polen ein revolutionäres Nationalgefühl gebildet. Eine seiner Ausdrucksformen waren die nationalen Geheimgesellschaften, die sich bereits im Jahre 1793 gebildet hatten.601 Es folgt ein Überblick über die zahlreichen Aufstände und bewaffneten Erhebungen, die nicht erfolgreich waren und dadurch die Situation der polnischen Bevölkerung noch mehr verschlechterten602. Die Unabhängigkeitsbewegungen unterschieden sich in den einzelnen Teilungsgebieten in ihrer Intensität. In Kongresspolen beteiligten sich die Magnaten und Großgrundbesitzer nur mäßig an den nationalen Bestrebungen. Der Grund hierfür ist, dass sie aufgrund ihrer weitgehenden Autonomie und ihren Standesprivilegien nur wenig unter dem Druck der Regierung litten.603 In den preußischen Gebieten und auch in Galizien zeichnete sich hingegen ein anderes Bild ab. In den preußischen Teilungsgebieten wirkte die „Liga Polska“.604 Die Liga forderte wiederholt eine „nationale Reorganisation“.605

Eine wichtige Form des organisierten Widerstandes im Exil bildeten die polnischen Legionen. Die polnischen Legionen wurden erstmals im Jahre 1797 in Italien ← 83 | 84 → aus polnischen Kriegsgefangenen und Deserteuren der österreichischen Armee gebildet und von General Henryk Dąbrowski angeführt. Die Legionen hatten die Vorstellung, dass ihnen...

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