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Polens Staatlichkeit in sieben Jahrhunderten

Eine völkerrechtliche Analyse zur Staatensukzession

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Adrianna Michel

Das Buch befasst sich mit Polens Geschichte in den vergangenen 700 Jahren und geht der Frage seiner Staatlichkeit nach. In einem historischen Teil werden die seit dem 14. Jahrhundert vereinbarten Unionsabschlüsse mit Litauen, die Teilungen des Landes in den Jahren 1772, 1793 und 1795 und schließlich die staatliche «Wiedererrichtung» nach dem Ersten Weltkrieg vorgestellt. Anschließend beschreibt die Autorin die Voraussetzungen für die Entstehung und den Untergang von Staaten und deren Folgen, erforscht das Verhältnis von Effektivitäts- und Kontinuitätsgrundsatz und hebt die Bedeutung der normativen Kraft des Faktischen hervor. Unter Berücksichtigung des Grundsatzes tempus regit actum erfolgt in einem dritten Teil die völkerrechtliche Würdigung der Polen betreffenden territorialen und statusrechtlichen Veränderungen.
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7. Kapitel: Wesentliche Einschnitte in den Teilungsgebieten seit dem Jahre 1830

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Die Folge des Novemberaufstands im Jahre 1830 war die Auflösung und Angliederung Kongresspolens an Russland.650 Nachdem der Aufstand niedergeworfen worden war, ersetzten der Kaiser von Russland und der König von Polen, Nikolaus I., die Verfassung des Königreichs durch ein „Organisches Statut“. Das Königreich wurde infolge des neuen Statuts mit Russland verbunden. Am 14. (26.) Februar 1832 wurden die neue Verfassung verkündet und neue Verwaltungsstrukturen eingeführt.651 Ein wichtiger Punkt des Gesetzeswerkes war, dass die Krönung des polnischen Königs wegfiel.652 Aufgrund der neuen Verfassung verloren die Polen ihre zugesicherten Freiheiten und gleichzeitig ihre in großen Teilen gewährte Autonomie. Eine weitere verheerende Folge war, dass russische Vertreter die hohen Verwaltungsämter im Königreich übernahmen.653 Mit der Herrschaft des neuen Zaren Nikolaus I. verstärkten sich gleichzeitig die politische Unterdrückung und die polizeilichen Repressalien. Folge hiervon war, dass der Widerstand gegen die Gewaltherrschaft wuchs.654 Infolge des Verlustes der ← 89 | 90 → Sonderstellung Kongresspolens setzte eine Wende in der russischen Politik gegenüber dem ehemals polnischen Gebiet ein.655 Nach und nach mussten sich die Polen der russischen Administration unterstellen. Beispiele hierfür sind etwa, dass im Jahre 1837 die Wojewodschaften in Guberien umbenannt wurden,656 im Jahre 1839 die Unterrichtsangelegenheiten, im Jahre 1846 das Verkehrswesen und schließlich im Jahre 1851 das Postwesen den polnischen Behörden entzogen und dem russischen Ministerium unterstellt wurden.657 Im Jahre 1837 wurde Russisch zur Amtssprache erhoben.658 Damit wurde deutlich, dass im ehemaligen Kongresspolen der Russifizierungsprozess eingesetzt hatte. Positiv...

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