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Polens Staatlichkeit in sieben Jahrhunderten

Eine völkerrechtliche Analyse zur Staatensukzession

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Adrianna Michel

Das Buch befasst sich mit Polens Geschichte in den vergangenen 700 Jahren und geht der Frage seiner Staatlichkeit nach. In einem historischen Teil werden die seit dem 14. Jahrhundert vereinbarten Unionsabschlüsse mit Litauen, die Teilungen des Landes in den Jahren 1772, 1793 und 1795 und schließlich die staatliche «Wiedererrichtung» nach dem Ersten Weltkrieg vorgestellt. Anschließend beschreibt die Autorin die Voraussetzungen für die Entstehung und den Untergang von Staaten und deren Folgen, erforscht das Verhältnis von Effektivitäts- und Kontinuitätsgrundsatz und hebt die Bedeutung der normativen Kraft des Faktischen hervor. Unter Berücksichtigung des Grundsatzes tempus regit actum erfolgt in einem dritten Teil die völkerrechtliche Würdigung der Polen betreffenden territorialen und statusrechtlichen Veränderungen.
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3. Kapitel: Zeitraum nach den Teilungen 1795-1914

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Die insgesamt mehr als 100 Jahre nach der letzten Teilung des polnischen Staates bedeuteten für die polnische Bevölkerung eine Zeit der Fremdherrschaft und der Abhängigkeit von den Teilungsmächten. Die Polen lebten als Untertanen in den jeweiligen Teilungsgebieten. Trotz dieser scheinbar ausweglosen Situation, in der sich die polnische Bevölkerung befand, blieben der Wunsch und das Streben nach Wiedererrichtung des polnischen Staates in den Grenzen vor der ersten Teilung bis zum Jahre 1914 bestehen. Die Polen verloren nie ihre Hoffnung und brachten diese in immer wieder aufflammenden Befreiungskämpfen zum Ausdruck. Im Zeitraum von 1795 bis 1914 entstanden neue Gebilde, nämlich das Herzogtum Warschau, das Königreich Polen, das Großherzogtum Posen und die Freie Stadt Krakau, die den Polen als neuer Lebensraum von den Mächten zugesprochen wurden. Zunächst ist fraglich, ob diese Gebilde als Staaten im völkerrechtlichen Sinne zu bewerten sind. Wenn dies der Fall ist, schließt sich die Frage an, ob eines dieser Gemeinwesen mit dem früheren Polen identisch war oder ob alle Staaten als Neustaaten zu betrachten sind.

Im Jahre 1807 stand der französische Kaiser Napoleon Bonaparte auf dem Höhepunkt seiner Macht.632 Napoleon erkannte, dass er seine Machtstellung in Europa nur festigen konnte, wenn er diese auf sichere Fundamente stellte.633 Nach dem Untergang des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation im Jahre 1806 ergriff er die Möglichkeit der territorialen Umgestaltung. Auf diese Weise entstanden unter seinem Einfluss in Europa zahlreiche neue Staaten. Hierbei...

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