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Polens Staatlichkeit in sieben Jahrhunderten

Eine völkerrechtliche Analyse zur Staatensukzession

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Adrianna Michel

Das Buch befasst sich mit Polens Geschichte in den vergangenen 700 Jahren und geht der Frage seiner Staatlichkeit nach. In einem historischen Teil werden die seit dem 14. Jahrhundert vereinbarten Unionsabschlüsse mit Litauen, die Teilungen des Landes in den Jahren 1772, 1793 und 1795 und schließlich die staatliche «Wiedererrichtung» nach dem Ersten Weltkrieg vorgestellt. Anschließend beschreibt die Autorin die Voraussetzungen für die Entstehung und den Untergang von Staaten und deren Folgen, erforscht das Verhältnis von Effektivitäts- und Kontinuitätsgrundsatz und hebt die Bedeutung der normativen Kraft des Faktischen hervor. Unter Berücksichtigung des Grundsatzes tempus regit actum erfolgt in einem dritten Teil die völkerrechtliche Würdigung der Polen betreffenden territorialen und statusrechtlichen Veränderungen.
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Gesamtbetrachtung

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Der Zeitraum von 1385 bis zu den Teilungen Polen-Litauens ist von immer wieder neu geschlossenen Unionen zwischen Polen und Litauen geprägt. Trotz dieser Verbindungen ist der polnische Staat nicht untergegangen, sodass die Unionsabschlüsse keinen Einfluss auf Polens Staatlichkeit hatten.

Die Dokumente der Union von Krewo aus den Jahren 1385 und 1386 hatten bestimmt, dass das Großfürstentum Litauen an das Königreich Polen angegliedert werden sollte. Der Begriff applicare, den der litauische Großfürst Jagiełło im Akt von Krewo gebrauchte, ist so auszulegen, dass zwar formal eine Inkorporation Litauens in Polen anvisiert wurde, aber de facto das Großfürstentum Litauen in einem Lehensverhältnis zu Polen stand. Demnach ging Litauen als Staat nicht unter, sondern verlor durch die Oberhoheit Polens lediglich einen Teil seiner Souveränität. Bis zum Jahre 1392 bestand neben einer Personalunion zwischen Polen und Litauen somit faktisch eine Suzeränität. Nach dem Jahre 1392 wurde das Abhängigkeitsverhältnis zu Polen gänzlich aufgelöst. Seit dieser Zeit waren das Königreich Polen und das Großfürstentum Litauen lediglich durch eine Personalunion miteinander verbunden.

Nach dem Unionsvertrag von Wilna und Radom aus dem Jahre 1401 existierten Polen und Litauen als selbständige Staaten fort. Zwischen beiden Staaten bestand eine Personalunion, die aber nicht auf die tatsächliche Herrschaft, sondern vielmehr auf die Oberhoheit Polens in Litauen gegründet war. Wiederum ist das Verhältnis beider Staaten zueinander als Suzeränität sowie zusätzlich...

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