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Zur Aktualität klassischer Orgelschulen

Evaluation – Akzeptanz – Ausblick

Diana Rieger

Zeitgemäße Vermittlung und Qualitätssteigerung des Orgelspiels ist seit Jahrhunderten ein zentrales Anliegen von Organisten. Dies spiegelt sich auch in den Orgelschulen wider. Diese Untersuchung betrachtet schwerpunktmäßig repräsentative Lehrwerke des 18. bis 20. Jahrhunderts aus dem deutschen, belgischen, französischen und italienischen Raum, ergänzend angloamerikanische sowie zeitgenössische Schulen. Was aus diesen lehr- und lernbar ist, warum und wie gerade ältere Schulen den Orgelunterricht bereichern können, wird aufgezeigt.
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3. Belgien

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Im Jahr 1830 erlangte Belgien seine Selbstständigkeit und wurde zum Königreich erhoben. Die neue politische Situation begünstigte das kulturelle Leben. Gent und Lüttich gelten neben Brüssel bis in die Gegenwart als musikalische Zentren. Hier wurden im Zuge der Staatsgründung bedeu­tende Ausbildungsstätten für Musiker eingerichtet bzw. weiter ausgebaut. Am Königlichen Konser­vatorium in Brüssel setzte sich François-Joseph Fétis (1784–1871), der erste Direktor dieser Lehr­institution, in besonderer Weise für den Fachbereich Orgel ein. Fétis verfolgte ehrgeizige Ziele. Un­ter anderem strebte er danach, niveauvolles Orgelspiel in Belgien zu etablieren. Ein Hindernis stellte der landestypische Orgelbau dar. „[…] es gab kein Ped.[al], und die Klaviaturen waren so unzulänglich, daß man nur langsam darauf spielen konnte“.32 Um auf den Missstand aufmerksam zu machen, publizierte Fétis 1850 einen Bericht über die heutige Situation des Orgelbaus in Belgien, im Vergleich zur Situation in Deutschland, Frankreich und England. Hin­zukam, dass Orgelmusik – auch infolge der napoleonischen Besatzungszeit – gesellschaftlich nicht verankert war. Orgelspieler improvisierten meist in dilettantischer Art und Weise. Kompositionen für Orgel sind im 18. Jahrhundert und frühen 19. Jahrhundert wenn, dann in Manuskripten überliefert. Das Drucken von Orgelnoten war unüblich. Fétis selbst komponierte und veröffentlichte Orgelstücke von vorrangig didaktischem Wert, vermutlich um einen Beitrag zu leisten, die oben genannte Lücke zu schließen. Er stand den zeitgenössischen Strömungen in der Komposition eher reserviert bis ablehnend...

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