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Nomadisches Schreiben nach dem Zerfall Jugoslawiens

David Albahari, Bora Ćosić und Dubravka Ugrešić

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Diana Hitzke

Nach dem Zerfall Jugoslawiens legen David Albahari, Bora Ćosić und Dubravka Ugrešić Texte vor, die sich als nomadisches Schreiben bezeichnen lassen. Sie handeln von der Migration der Protagonist_innen und stellen Bewegungen durch literarische Verfahren her. Kulturelle Transformationen und Destabilisierungsprozesse bilden nicht nur den Hintergrund der Texte, sie sind auch Gegenstand der künstlerischen Auseinandersetzung. Das Nomadische – ein Gilles Deleuze und Félix Guattari entlehnter und für die literarische Analyse fruchtbar gemachter Begriff – wird in der Analyse der Texte sichtbar. Schwerpunkte liegen auf den intermedialen Bewegungen zwischen Tonband und Text bei Albahari, der Imagination einer Gemeinschaft der Staatenlosen bei Ćosić sowie einer Kartografie des Fragments bei Ugrešić.
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3. Mamac

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3. Mamac

3.1 Zwischen Tonband und Text

Wenn ich mit jemandem kommunizieren möchte, steht mir dazu eine Reihe alter oder neuer Techniken zur Verfügung […]: Sprache und Schrift, Mittel zur Speicherung, Übertragung und Vervielfältigung, von Information, Tonbandaufzeichnung, Telefon, Druck usw.389 Und ist der schlimmste Kunstgriff nicht das scheinbar mündliche Gespräch, das mit dem Tonband aufgezeichnet, bis zum ‚äh, äh …‘ abgeschrieben und dann sorgfältig ausradiert und stilistisch geglättet wurde?390Unnütz hinzuzufügen, daß er niemals eine mechanische Transkription des Originals ins Auge faßte; […].391

3.1.1 Die Erzählung vom Band – „Mutter: Das Leben“392

In Mamac versucht der Protagonist ein Buch über seine Mutter zu schreiben. Als Grundlage dafür dient ihm Tonbandmaterial, auf dem die Mutter über ihr Leben erzählt – im Text wird es in direkter Rede wiedergegeben. Mamac umfasst im Wesentlichen drei Zeiträume, die parallel erzählt werden, wodurch die „Geschichte(n)“ (in der Doppelbedeutung von Erzählung und Historie) fragmentiert und entchronologisiert werden. Die Erzählung der Mutter auf Tonband erstreckt sich vor allem auf die Zeitspanne von kurz vor dem Beginn bis nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Der zweite Zeitraum ist die Gegenwart des Erzählers, der versucht, aus dem Tonbandmaterial ein Buch zu machen. Diese Ebene umfasst den Zeitraum vom Beginn des Zerfalls Jugoslawiens (und dem Tod der Mutter) bis ca. zum Jahr 1996, dem Zeitpunkt des Erscheinens des Buches. Dazwischen liegt die Aufnahmezeit der Bänder,...

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