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Nomadisches Schreiben nach dem Zerfall Jugoslawiens

David Albahari, Bora Ćosić und Dubravka Ugrešić

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Diana Hitzke

Nach dem Zerfall Jugoslawiens legen David Albahari, Bora Ćosić und Dubravka Ugrešić Texte vor, die sich als nomadisches Schreiben bezeichnen lassen. Sie handeln von der Migration der Protagonist_innen und stellen Bewegungen durch literarische Verfahren her. Kulturelle Transformationen und Destabilisierungsprozesse bilden nicht nur den Hintergrund der Texte, sie sind auch Gegenstand der künstlerischen Auseinandersetzung. Das Nomadische – ein Gilles Deleuze und Félix Guattari entlehnter und für die literarische Analyse fruchtbar gemachter Begriff – wird in der Analyse der Texte sichtbar. Schwerpunkte liegen auf den intermedialen Bewegungen zwischen Tonband und Text bei Albahari, der Imagination einer Gemeinschaft der Staatenlosen bei Ćosić sowie einer Kartografie des Fragments bei Ugrešić.
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5. Nulta zemlja

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5. Nulta zemlja831

Das Problem der Nation verschärft sich in den beiden Extremfällen eines Landes ohne Volk oder eines Volkes ohne Land. (TP 632)Der Fremde wird im Prinzip nach zwei Rechtsordnungen definiert: dem ius solis und dem ius sanguinis, dem Recht des Bodens und dem Recht des Blutes. Man wird daher diejenigen als derselben Gruppe angehörig betrachten, die auf demselben Boden geboren sind (diese Rechtsordnung besteht auch heute noch in den Vereinigten Staaten: jedem auf amerikanischem Boden geborenen Kind wird die amerikanische Staatsangehörigkeit verliehen); oder die von einheimischen Eltern geborenen Kinder (hier machen sich je nach Kultur Patrilinearität oder Matrilinearität den Vorrang streitig, das Recht auf Zugehörigkeit zu verleihen). Mit der Entstehung der Nationalstaaten gelangen wir zu der einzig akzeptablen und klaren, modernen Definition des Fremden: Der Fremde ist derjenige, der nicht zum Staat gehört, in dem wir sind, ist der, der nicht die gleich Nationalität wie wir hat.832Es geht also vom no man’s land zum Nomadenland.833

5.1 „Jer kad bi svaki čovek […] uspeo da odbrani svoju kuću od sopstvene zemlje […]“

„Jer kad bi svaki čovek, moj saplemenik, uspeo da odbrani svoju kuću od sopstvene zemlje, njoj ne bi ostalo bog zna šta.“/„Denn wenn es jedem von uns gelänge, sein Haus vor dem eigenen Land zu verteidigen, bliebe dem Land nicht weiß Gott was übrig.“834 Dieser Satz steht auf der ersten Seite von Ćosićs Nulta zemlja, nach...

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