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Nomadisches Schreiben nach dem Zerfall Jugoslawiens

David Albahari, Bora Ćosić und Dubravka Ugrešić

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Diana Hitzke

Nach dem Zerfall Jugoslawiens legen David Albahari, Bora Ćosić und Dubravka Ugrešić Texte vor, die sich als nomadisches Schreiben bezeichnen lassen. Sie handeln von der Migration der Protagonist_innen und stellen Bewegungen durch literarische Verfahren her. Kulturelle Transformationen und Destabilisierungsprozesse bilden nicht nur den Hintergrund der Texte, sie sind auch Gegenstand der künstlerischen Auseinandersetzung. Das Nomadische – ein Gilles Deleuze und Félix Guattari entlehnter und für die literarische Analyse fruchtbar gemachter Begriff – wird in der Analyse der Texte sichtbar. Schwerpunkte liegen auf den intermedialen Bewegungen zwischen Tonband und Text bei Albahari, der Imagination einer Gemeinschaft der Staatenlosen bei Ćosić sowie einer Kartografie des Fragments bei Ugrešić.
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6. Nach dem Zerfall: Ansammeln und Aufzählen

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6. Nach dem Zerfall: Ansammeln und Aufzählen

6.1 Karten und Mapping in David Albaharis Mamac und Snežni čovek

Der Eingang zur Ausstellung war halb von einer großen Tafel versperrt, die zu beiden Seiten einen Durchgang von zwei Metern Breite freiließ und auf der nebeneinander ein Satellitenfoto von der Umgebung des Großen Belchen und die Vergrößerung einer Michelin-Departementalkarte vom selben Gebiet zu sehen waren. Der Kontrast war frappierend: Während auf dem Satellitenfoto nur eine Suppe aus mit verschwommenen bläulichen Flecken übersäten, mehr oder weniger einheitlichen Grüntönen zu erkennen war, zeigte die Karte ein faszinierendes Netz von Landstraßen, landschaftlich schönen Strecken, Aussichtspunkten, Wäldern, Seen und Pässen. Über den beiden Fotos stand in schwarzen Lettern der Titel der Ausstellung: ‚DIE KARTE IST INTERESSANTER ALS DAS GEBIET‘919 Schreiben hat nichts mit Bedeuten zu tun, sondern damit, Land – und auch Neuland – zu vermessen und zu kartographieren. (TP 14)

Deleuze und Guattari beschreiben in Tausend Plateaus Unterschiede zwischen dem „Staatsapparat“ und der „Kriegsmaschine“ auch in Bezug auf die Art des Umgangs mit dem Raum. Die Praktiken des Staatsapparates zielen darauf, den Raum einzuteilen, um „gekerbte Räume“ zu produzieren und den Raum zu codieren und zu decodieren. Nomadische Praktiken sind dagegen Bewegungen zwischen zwei Punkten, ziel- und richtungslose Bewegungen, De- und Reterritorialisierungen im offenen Raum und Versuche, „glatte Räume“ zu produzieren (vgl. TP 483f. und 658ff.).

[D]ie Bewegung geht nicht mehr...

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