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Der Freiheitsbegriff bei Kant

Eine philosophische Untersuchung im Rückblick auf das christliche Freiheitsverständnis

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Igor Nowikow

Die kantische Freiheitsphilosophie stellt eine säkulare Fassung der christlichen Freiheitslehre dar. Diese hat zwei unterschiedliche Grundbegriffe der Freiheit herausgearbeitet: die Freiheit der Wahl zwischen Gut und Böse und die moralische Freiheit. Im Hauptstrom seiner Philosophie stellt Kant allerdings nur den letzten und nicht den ersten Freiheitsbegriff in den Mittelpunkt seines Interesses. Damit entzieht er seiner Moralphilosophie und seiner Rechtslehre ihr eigentliches Fundament und kann dieses Defizit nur in seiner Religionsschrift annähernd ausgleichen. Das umfassende Problem der Freiheit bei Kant diskutiert der Verfasser vor dem Hintergrund zweier, für das Christentum fundamentaler Freiheitslehren: der von Augustinus und der von Luther.
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Im Mittelpunkt des Interesses der Philosophie der Neuzeit steht der Begriff der Freiheit. Das Thema der Freiheit greift zunächst die Philosophie der Aufklärung und dann die moderne Philosophie auf. Dabei wird der Ausdruck „Freiheit“ von Philosophen in unterschiedlicher Bedeutung gebraucht.1 Hinzu kommt noch ein vielfältiger Gebrauch dieses Ausdrucks in den außerphilosophischen Diskussionen und im alltäglichen Leben. Trotz dieser Unklarheiten wird die Freiheit oft als Grundbegriff der Neuzeit betrachtet.2 Der Begriff der Freiheit ist aber nicht eine neuzeitliche Erfindung, sondern er hat seine Wurzeln im Christentum. Die Philosophie der Aufklärung, deren zentrale Gestalt Immanuel Kant ist, steht vor dem Hintergrund einer christlichen Vorgeschichte der Freiheit. Wird die kantische Freiheitslehre unter diesem Gesichtspunkt überprüft, so erweist sich, dass Kant wesentliche Bestandteile der christlichen Freiheitslehre tradiert und im Sinne seiner eigenen „kritischen“ Philosophie umgestaltet. Man kann in diesem Zusammenhang von der Säkularisierung der christlichen Freiheitslehre sprechen. Aus dieser Erkenntnis ist die Idee der vorliegenden Arbeit entstanden. Sie knüpft vor allem an die Untersuchungen von Jan Schapp an, der in seinem rechtsphilosophischen Werk das Christentum und die Philosophie der Aufklärung in Beziehung setzt, und vor diesem Hintergrund das Problem der Freiheit erörtert.3 Er thematisiert die Freiheitslehren von Augustinus und Luther. Da die Bedeutung dieser beiden Denker im Hinblick auf das Problem der Freiheit im abendländischen ← 13 | 14 → Kulturkreis bahnbrechend ist, stehen ihre Freiheitslehren auch im Mittelpunkt der vorliegenden Arbeit.

In seinen kritischen Hauptschriften setzt sich Kant weder mit Augustinus noch...

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