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Der Freiheitsbegriff bei Kant

Eine philosophische Untersuchung im Rückblick auf das christliche Freiheitsverständnis

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Igor Nowikow

Die kantische Freiheitsphilosophie stellt eine säkulare Fassung der christlichen Freiheitslehre dar. Diese hat zwei unterschiedliche Grundbegriffe der Freiheit herausgearbeitet: die Freiheit der Wahl zwischen Gut und Böse und die moralische Freiheit. Im Hauptstrom seiner Philosophie stellt Kant allerdings nur den letzten und nicht den ersten Freiheitsbegriff in den Mittelpunkt seines Interesses. Damit entzieht er seiner Moralphilosophie und seiner Rechtslehre ihr eigentliches Fundament und kann dieses Defizit nur in seiner Religionsschrift annähernd ausgleichen. Das umfassende Problem der Freiheit bei Kant diskutiert der Verfasser vor dem Hintergrund zweier, für das Christentum fundamentaler Freiheitslehren: der von Augustinus und der von Luther.
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Kapitel 3: Freiheit im Kontext der Neubegründung der Metaphysik durch Kant

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Mit der Gedankenfülle, die bei Augustinus und Luther im Hinblick auf das Problem der Freiheit auftauchen, setzt sich Immanuel Kant (1724–1804) in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts auf seine Art und Weise intensiv auseinander. Kant betrachtet sich selbst als einen Repräsentanten der Philosophie der Aufklärung,416 er wird darüber hinaus als der Wegbreiter des deutschen Idealismus angesehen.417 Fichte, Schelling und Hegel betrachteten sein Auftreten als einen Wendepunkt in der Geschichte der Philosophie, auch wenn sie später ihre eigenen philosophischen Wege gingen.418 Selbst Friedrich H. Jacobi, der Kant und die idealistische Philosophie scharf kritisierte, pries zugleich seine Errungenschaften.419 Die epochale Bedeutung, die Kant damals zugemessen wurde und wohl auch heute noch zugemessen wird, kommt in den Worten Wilhelm von Humboldts besonders deutlich zum Ausdruck: „Kant unternahm und vollbrachte das größte Werk, das vielleicht je die philosophierende Vernunft einem einzelnen Manne zu danken gehabt hat … Dreierlei bleibt, wenn man den Ruhm, den Kant seiner Nation, den Nutzen, den er dem spekulativen Denken verliehen hat, bestimmen will, unverkennbar gewiß: Einiges, was er zertrümmert hat, wird sich nie wieder erheben, einiges, was er begründet hat, wird nie wieder untergehen, und was das ← 99 | 100 → Wichtigste ist, so hat er eine Reform gestiftet, wie die gesamte Geschichte des menschlichen Denkens keine ähnliche aufweist.“420

Diese geschichtliche Hochschätzung Kants betrifft nicht sein ganzes Werk, sondern vor allem seine kritische Philosophie, deren Grundlagen die 1781 erschienene Kritik der reinen Vernunft enthält. In...

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