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Der Freiheitsbegriff bei Kant

Eine philosophische Untersuchung im Rückblick auf das christliche Freiheitsverständnis

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Igor Nowikow

Die kantische Freiheitsphilosophie stellt eine säkulare Fassung der christlichen Freiheitslehre dar. Diese hat zwei unterschiedliche Grundbegriffe der Freiheit herausgearbeitet: die Freiheit der Wahl zwischen Gut und Böse und die moralische Freiheit. Im Hauptstrom seiner Philosophie stellt Kant allerdings nur den letzten und nicht den ersten Freiheitsbegriff in den Mittelpunkt seines Interesses. Damit entzieht er seiner Moralphilosophie und seiner Rechtslehre ihr eigentliches Fundament und kann dieses Defizit nur in seiner Religionsschrift annähernd ausgleichen. Das umfassende Problem der Freiheit bei Kant diskutiert der Verfasser vor dem Hintergrund zweier, für das Christentum fundamentaler Freiheitslehren: der von Augustinus und der von Luther.
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Kapitel 5: Freiheit im Kontext der moralphilosophischen Schriften Kants

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Den Weg, den Kant in seinen erkenntnistheoretischen Schriften im Hinblick auf das Problem der Freiheit eingeschlagen hat, setzt er in seinen moralphilosophischen Schriften: Grundlegung zur Metaphysik der Sitten (1785), Kritik der praktischen Vernunft (1788) und Die Metaphysik der Sitten (1797) weiter fort. Kant übernimmt von seiner theoretischen Philosophie folgende Grundgedanken in seine Ethik641: a) Nur die reine Vernunft sei die Quelle der Erkenntnis, b) der Zugang zur Freiheit müsse im moralischen Sollen gesucht werden. Dies hat zur Folge, dass alle Bedenken, die im Kontext der Kritik der reinen Vernunft bereits formuliert wurden, auch im Kontext der kantischen Ethik, die auf dem Fundament dieser Kritik aufgebaut wird, Geltung beanspruchen können. Zugleich kommen allerdings auch neue Aspekte hinzu, die sich für die Problematik der Freiheit aus dem neuen – moralphilosophischen – Kontext ergeben.

Angesichts dessen, dass Kant die Freiheit mit dem moralischen Handeln bereits in der Kritik der reinen Vernunft identifiziert und diesen Gedanken dann in seiner Ethik weiter ausführt, muss also zunächst ein Überblick über die kantische Ethik gegeben werden, der den Boden für die Untersuchung über die moralische Freiheit vorbereitet. In der Kritik der reinen Vernunft betrachtet Kant die Freiheit und das moralische Sollen als einerlei, ohne allerdings den Inhalt des Sollens näher zu bestimmen.642 Die letzte Aufgabe bemüht er sich in seiner Ethik zu lösen. Diese zerfällt in zwei Teile: In den moralphilosophischen Schriften der 1780-er Jahre erarbeitet Kant das Fundament seiner Ethik, das moralische Gesetz, das er aus...

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