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Der Freiheitsbegriff bei Kant

Eine philosophische Untersuchung im Rückblick auf das christliche Freiheitsverständnis

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Igor Nowikow

Die kantische Freiheitsphilosophie stellt eine säkulare Fassung der christlichen Freiheitslehre dar. Diese hat zwei unterschiedliche Grundbegriffe der Freiheit herausgearbeitet: die Freiheit der Wahl zwischen Gut und Böse und die moralische Freiheit. Im Hauptstrom seiner Philosophie stellt Kant allerdings nur den letzten und nicht den ersten Freiheitsbegriff in den Mittelpunkt seines Interesses. Damit entzieht er seiner Moralphilosophie und seiner Rechtslehre ihr eigentliches Fundament und kann dieses Defizit nur in seiner Religionsschrift annähernd ausgleichen. Das umfassende Problem der Freiheit bei Kant diskutiert der Verfasser vor dem Hintergrund zweier, für das Christentum fundamentaler Freiheitslehren: der von Augustinus und der von Luther.
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Kapitel 7: Freiheit im Kontext der Religionsschrift Kants

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Die bisherige Untersuchung hat gezeigt, dass Kant weder in seiner Ethik noch in seiner Rechtslehre das Problem des Bösen systematisch zu lösen vermag. Es tauchen dort zwar vereinzelte Sätze auf, die auf dieses Problem hinweisen bzw. dessen Lösung vermuten lassen, aber zu einer systematischen Ausarbeitung einer Lehre vom Bösen kommt es nicht. Die moralische Freiheit ist eine Freiheit zum Guten und die äußere Freiheit der Rechtslehre ist eine Freiheit zum Rechten. Dem Problem des Bösen wendet sich Kant in der 1793 erschienenen Schrift Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft zu. Die Religionsschrift liegt also zeitlich zwischen seinen beiden großen moralphilosophischen Werken Kritik der praktischen Vernunft (1788) und Die Metaphysik der Sitten (1797). Ihr erster Teil, der gesondert als Aufsatz bereits 1792 in der „Berlinischen Monatsschrift“ erschien, trägt den Titel Von der Einwohnung des bösen Prinzips neben dem guten: oder über das radikale Böse in der menschlichen Natur. Kant entfaltet in ihm eine Lehre vom Bösen, die in der Geschichte der Philosophie, anknüpfend an Kants Formulierung, als die Lehre vom radikalen Bösen bezeichnet wird. Entscheidend ist nun, dass Kant – um das Problem des Bösen überhaupt bewältigen zu können – einen „neuen“ Freiheitsbegriff einführt, der im Rückblick auf die christliche Tradition als die Wahlfreiheit zwischen Gut und Böse bezeichnet werden kann: „Was der Mensch im moralischen Sinne ist, oder werden soll, gut oder böse, dazu muß er sich selbst...

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