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Der Gruppenbezug jugendlicher Delinquenz

Zur Notwendigkeit der Berücksichtigung gruppenbezogener Straftaten bei der Anwendung und Auslegung von Jugendstrafrecht

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Julia Lehmann-Björnekärr

Inwieweit ist das strafrechtliche Handeln junger Menschen aus einer Gruppe heraus strafschärfend oder strafmildernd zu berücksichtigen? Die Autorin setzt sich mit dem status quo in Rechtsprechung und Literatur hinsichtlich der Berücksichtigung des Gruppenbezuges auseinander. Letzteres ist im Rückgriff bzw. unter Berücksichtigung von Forschungsbefunden aus verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen zu der Bedeutung von Peergroup-Sozialisation, in Verbindung mit Aspekten aus Kriminalitätstheorien, sowie dem Erziehungsgedanken und einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Jugendstrafrecht als Täterstrafrecht erfolgt. Schließlich wurde die Frage nach der Notwendigkeit einer jugendspezifischen Auslegung materieller und prozessualer Regelungen unter dem Aspekt des Gruppenbezuges aufgegriffen. Im Rahmen der Untersuchung entstand unter anderem ein Mehrfaktorenmodell für die Erklärung gruppendelinquenten Verhaltens.
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A. Einleitung

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Immer wieder wird in den Medien von bandenartigen Gruppierungen Jugendlicher berichtet, die hauptsächlich durch Gewalt- aber auch Eigentumsdelikte auffallen und die Bevölkerung durch ihr brutales und rücksichtsloses Verhalten verunsichern.1

Vor nicht allzu langer Zeit hat ein eben solcher Fall, der sich in einem Münchener U-Bahnhof ereignete, eine erneute Debatte über die Verschärfung des Jugendstrafrechts ausgelöst.2 Gegenstand dieser Debatte sind beispielsweise die Senkung bzw. Anhebung der Strafmündigkeitsgrenze oder die Forderung, Heranwachsende grundsätzlich nach Erwachsenenstrafrecht zu verurteilen. In dem Zusammenhang wurde aber auch zunehmend über präventive Maßnahmen zur Eindämmung von Jugendgewalt diskutiert. Allerdings traten auch hier erneut Fehlvorstellungen gegenüber dem deutschen Jugendstrafrecht zu Tage.

Bei der Forderung nach härteren Bestrafungen zum Zwecke der Abschreckung wird immer wieder verkannt, dass Prävention oft mehr erreicht als Repression und dass Strafe die Rückfallwahrscheinlichkeit jugendlicher Straftäter sogar erhöht.3

Mit dem Gesetz zur Erweiterung der jugendgerichtlichen Handlungsmöglichkeiten haben die Jugendgerichte seit März 2013 die Möglichkeit, neben einer zur Bewährung ausgesetzten Jugendstrafe zusätzlich bis zu vier Wochen Dauerarrest zu verhängen. Durch diesen sogenannten Warnschussarrest soll den Straftätern die Konsequenz ihres Handelns aufgezeigt werden, die eine Bewährungsstrafe oftmals wie einen Freispruch empfinden. Darüber hinaus wurde mit diesem Gesetz ab September 2012 das Höchstmaß der Jugendstrafe bei Mord für Heranwachsende heraufgesetzt. Wird die besondere Schwere der Schuld festgestellt, können sie ab sofort zu maximal f...

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