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Sprachwissenschaft für den Alltag. Ein Kompendium

Unter Mitarbeit von Alexander Gräbner. 3., aktualisierte und erweiterte Ausgabe

Hartmut Heuermann

Wir lieben unsere Sprache. Aber kennen wir diese scheinbar so selbstverständliche Sache, mit der wir täglich umgehen? Wissen wir, welch vielschichtiges Gebilde sie in Wirklichkeit darstellt? Ahnen wir die Mannigfaltigkeit und die Feinheiten, die sie offenbart, sobald man die Oberfläche verlässt und den Phänomenen auf den Grund geht? Was zum Beispiel ist ein Symbol, und wie unterscheidet es sich von einer Metapher? Was versteht man unter Ethnolekt, und was ist seine Beziehung zum Idiolekt und Dialekt? Was hat es mit Pidgin auf sich? Sprachwissenschaft für den Alltag ist ein Kompendium, das sprachwissenschaftliches Wissen für den Hausgebrauch vermittelt. In dieser dritten, aktualisierten und erweiterten Ausgabe, die gegenüber der zweiten Auflage nochmal erweitert und ergänzt ist, werden über 230 Schlüsselbegriffe erläutert, die das Medium dem Nutzer näherbringen und der Welt der Sprache Profil verleihen. Eine praktische Handreichung für alle, die mit Sprache umgehen und ihre Kenntnisse verbessern möchten. Eine nützliche Lektüre zu einer Zeit, in der es um die deutsche Sprache offenkundig nicht zum Besten steht.
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enus = Geschlecht. Während die Natur auf unserem Planeten (mit einigen Ausnahmen) die Existenz von zwei Geschlechtern, männlich und weiblich, vorgesehen hat, können Sprachen bei der Benennung von „Sachen“ von diesem Naturgesetz abweichen. Bei der Ausprägung des grammatischen Geschlechts von Lexemen treten allerlei Varianten auf. Während z. B. die englische Sprache mit der Verwendung der Artikel the und a auf die Festlegung eines grammatischen Geschlechts völlig verzichtet, kennt die deutsche Sprache mit der, die, das bzw. einer, eine, eines drei verschiedene grammatische Geschlechter, die oft in keinerlei Beziehung zum natürlichen Geschlecht der bezeichneten „Objekte“ stehen. Alltagssprachlich ist es der Hund und die Katze, obwohl es sich im konkreten Fall um eine Hündin bzw. einen Kater handeln kann. Und es ist – gleichermaßen absurd – geschlechtsneutral das Kind, auch wenn es dergleichen biologisch nicht gibt. Ein ähnlicher Fall: das (inzwischen obsolete) Fräulein, welches im Unterschied zur spanischen señorita und italienischen signorina grammatisch zur Geschlechtsneutralität, sprich Sächlichkeit, verdammt war, während ihre Pendants sich seit jeher einer Entsprechung von natürlichem und grammatischem Geschlecht erfreuen können. Der Beispiele gibt es viele. So ist kulturanthropologisch kurios, dass die meisten Sprachen den Mond als weiblich und die Sonne als männlich designieren, während die deutsche Sprache umgekehrt damit verfährt. Kurzum: Grammatisches und natürliches Geschlecht sind nicht identisch, von den einen auf das andere schließen zu wollen, ist (meist) ein Fehlschluss. Im → linguistischen Feminismus wird dieser fundamentale Sachverhalt oft ignoriert...

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