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Sprachwissenschaft für den Alltag. Ein Kompendium

Unter Mitarbeit von Alexander Gräbner. 3., aktualisierte und erweiterte Ausgabe

Hartmut Heuermann

Wir lieben unsere Sprache. Aber kennen wir diese scheinbar so selbstverständliche Sache, mit der wir täglich umgehen? Wissen wir, welch vielschichtiges Gebilde sie in Wirklichkeit darstellt? Ahnen wir die Mannigfaltigkeit und die Feinheiten, die sie offenbart, sobald man die Oberfläche verlässt und den Phänomenen auf den Grund geht? Was zum Beispiel ist ein Symbol, und wie unterscheidet es sich von einer Metapher? Was versteht man unter Ethnolekt, und was ist seine Beziehung zum Idiolekt und Dialekt? Was hat es mit Pidgin auf sich? Sprachwissenschaft für den Alltag ist ein Kompendium, das sprachwissenschaftliches Wissen für den Hausgebrauch vermittelt. In dieser dritten, aktualisierten und erweiterten Ausgabe, die gegenüber der zweiten Auflage nochmal erweitert und ergänzt ist, werden über 230 Schlüsselbegriffe erläutert, die das Medium dem Nutzer näherbringen und der Welt der Sprache Profil verleihen. Eine praktische Handreichung für alle, die mit Sprache umgehen und ihre Kenntnisse verbessern möchten. Eine nützliche Lektüre zu einer Zeit, in der es um die deutsche Sprache offenkundig nicht zum Besten steht.
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dios = eigen, eigentümlich + synkrasis = Mischung. Bezieht man die aktuell gesprochene bzw. geschriebene Sprache auf die einzelnen Sprachbenutzer, um sie zu vergleichen, erkennt man, dass keine zwei Sprecher sich ihrer Sprache in exakt der gleichen Weise bedienen. Im Vokabular, in der → Syntax, der → Phonetik und →Idiomatik bestehen individuell bedingte Unterschiede, die, sofern sie nicht zufällig auftauchen, als Idiolekt beschreibbar sind. Idiolekte sind die „Sprachen“ als Sprachgewohnheiten einzelner Menschen, die auf unterer (individueller) Ebene das Pendant von → Dialekten auf höherer (kollektiver) Ebene darstellen. Es sind (meist geringfügige) Abweichungen von der → Norm, die so etwas wie die sprachlichen Markenzeichen der Menschen darstellen. Bei deutlicheren Abweichungen oder Normverletzungen, die in der Öffentlichkeit auffallen, spricht man von Idiosynkrasien. Das sind auffällige sprachliche Gewohnheiten oder Eigentümlichkeiten, welche den Betroffenen entweder nicht bewusst sind oder absichtlich gepflegt werden, um „linguistische Duftmarken“ zu setzen. Dieses Phänomen, z. B. ein bestimmter Singsang in der Intonation oder der Gebrauch wiederkehrender → Floskeln in der Lexik, tritt bei Vielrednern recht häufig auf. Oft wird es von charakteristischem Minenspiel oder typischen Handbewegungen begleitet (→ Paralinguistik). Satirikern dienen solche Idiosynkrasien mit Vorliebe als Zielscheibe von Spott.

Von gr. idioma = Eigentümlichkeit. Der Begriff ist etwas diffus. In seiner Grundbedeutung ist er ein Synonym für Sprache allgemein, heute wird er jedoch meist enger definiert als die einer Region oder Gruppe eigentümliche Redeweise, verwandt mit dem → Jargon und dem → Dialekt. Idiome (im Plural) sind darüber hinaus eigentümliche Wortprägungen oder Ausdrucksformen, die...

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