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Sprachwissenschaft für den Alltag. Ein Kompendium

Unter Mitarbeit von Alexander Gräbner. 3., aktualisierte und erweiterte Ausgabe

Hartmut Heuermann

Wir lieben unsere Sprache. Aber kennen wir diese scheinbar so selbstverständliche Sache, mit der wir täglich umgehen? Wissen wir, welch vielschichtiges Gebilde sie in Wirklichkeit darstellt? Ahnen wir die Mannigfaltigkeit und die Feinheiten, die sie offenbart, sobald man die Oberfläche verlässt und den Phänomenen auf den Grund geht? Was zum Beispiel ist ein Symbol, und wie unterscheidet es sich von einer Metapher? Was versteht man unter Ethnolekt, und was ist seine Beziehung zum Idiolekt und Dialekt? Was hat es mit Pidgin auf sich? Sprachwissenschaft für den Alltag ist ein Kompendium, das sprachwissenschaftliches Wissen für den Hausgebrauch vermittelt. In dieser dritten, aktualisierten und erweiterten Ausgabe, die gegenüber der zweiten Auflage nochmal erweitert und ergänzt ist, werden über 230 Schlüsselbegriffe erläutert, die das Medium dem Nutzer näherbringen und der Welt der Sprache Profil verleihen. Eine praktische Handreichung für alle, die mit Sprache umgehen und ihre Kenntnisse verbessern möchten. Eine nützliche Lektüre zu einer Zeit, in der es um die deutsche Sprache offenkundig nicht zum Besten steht.
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lat. nomen = Name. Ein Name ist ein Wort oder Ausdruck, mit dem der Mensch sich selbst, andere Menschen, Lebewesen, Orte, Landschaften, Länder, Flüsse, Gebirge, Meere, Gestirne oder auch Objekte seiner Lebenswelt, z. B. Schiffe, bezeichnet. Die Namengebung ist der wichtigste Vorgang, mit dem der Mensch sich seine Welt sprachlich aneignet und geistig verfügbar macht. Orientierung in der Wirklichkeit, insbesondere die eigene Identitätsbildung und die Identifikation von anderen, wären ohne Namen nicht möglich. Das als kindisch belächelte „Ich Tarzan – du Jane“ aus den Tarzan-Geschichten von Edgar Rice Burroughs hat einen ernst zu nehmenden Hintergrund: Es ist ein Akt der Benennung, der eine interpersonelle Beziehung stiftet. Nicht von ungefähr erwähnt der biblische Schöpfungsbericht (nach Genesis 1,2) die Namengebung der von Gott geschaffenen Tiere als Adams erste Aufgabe. Und nicht zufällig war eine der ersten Handlungen des Christoph Columbus in der Neuen Welt stets die „Taufe“ der von ihm besuchten Inseln. Er gab ihnen spanische Namen. Auf diese Weise nahm Columbus sprachlich Besitz, noch bevor er territorialen Besitz anmeldete. Aus der teilweise heute noch populären lateinischen Redeweise nomen est omen geht der tief verwurzelte Glaube an die schicksalhafte Bedeutung von Namen hervor. Es ist zwar ein Aberglaube, aber ähnlich wie tabuisierte Wörter in den Mythologien der Völker ein Symptom des Nachwirkens von → Sprachmagie.

Die Namenkunde (Onomastik) ist ein weit verzweigtes Gebiet der Sprachwissenschaft, das den Ursprung, die Bedeutung, die Verbreitung, die Verwandtschaft und den Wandel von...

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