Show Less
Restricted access

Sprachwissenschaft für den Alltag. Ein Kompendium

Unter Mitarbeit von Alexander Gräbner. 3., aktualisierte und erweiterte Ausgabe

Hartmut Heuermann

Wir lieben unsere Sprache. Aber kennen wir diese scheinbar so selbstverständliche Sache, mit der wir täglich umgehen? Wissen wir, welch vielschichtiges Gebilde sie in Wirklichkeit darstellt? Ahnen wir die Mannigfaltigkeit und die Feinheiten, die sie offenbart, sobald man die Oberfläche verlässt und den Phänomenen auf den Grund geht? Was zum Beispiel ist ein Symbol, und wie unterscheidet es sich von einer Metapher? Was versteht man unter Ethnolekt, und was ist seine Beziehung zum Idiolekt und Dialekt? Was hat es mit Pidgin auf sich? Sprachwissenschaft für den Alltag ist ein Kompendium, das sprachwissenschaftliches Wissen für den Hausgebrauch vermittelt. In dieser dritten, aktualisierten und erweiterten Ausgabe, die gegenüber der zweiten Auflage nochmal erweitert und ergänzt ist, werden über 230 Schlüsselbegriffe erläutert, die das Medium dem Nutzer näherbringen und der Welt der Sprache Profil verleihen. Eine praktische Handreichung für alle, die mit Sprache umgehen und ihre Kenntnisse verbessern möchten. Eine nützliche Lektüre zu einer Zeit, in der es um die deutsche Sprache offenkundig nicht zum Besten steht.
Show Summary Details
Restricted access

X

X

Extract

enos = fremd + gr. glossia = Zunge. Hierunter versteht man die seltene, aber historisch und linguistisch belegte Fähigkeit mancher Menschen, Sprachen zu benutzen, die sie nicht erlernt haben. Einige Fachleute unterscheiden zwischen Xenoglossie als dem Schreiben fremder Sprachen und Glossolalie als dem Sprechen, wobei es sich allerdings nur um zwei Aspekte ein und derselben paranormalen Fähigkeit handelt. In neuerer Zeit wurde u. a. der Fall der Laura Edmonds aus New York bekannt. Ihre Muttersprache war Englisch, und in der Schule hatte sie elementares Französisch gelernt. Bei einer Abendgesellschaft im Jahr 1959 wurde ihr ein Grieche vorgestellt, und Miss Edmonds war imstande, sich länger als eine Stunde mit ihm auf Neugriechisch zu unterhalten. Aus der gleichen Zeit wird von einer Mrs. Young, einer Arbeiterin aus Chicago, berichtet, dass sie nach Gutdünken Spanisch oder Italienisch sprechen konnte. Das Medium Alfredo Pansini aus Veneto soll einmal in einer Sitzung hintereinander zwölf Sprachen gesprochen haben, und nach einer Meldung der New Yorker Evening Post (vom 10.11.1939) soll eine vierzehnjährige Polin, die einen schottischen Urgroßvater hatte, Selbstgespräche in einem Idiom geführt haben, das als Gälisch identifiziert werden konnte.

Der Glossolalie-Begriff ist eher religiös und religionsgeschichtlich besetzt. Ihm liegt die Vorstellung zugrunde, dass die betreffenden Individuen göttlich inspiriert oder dämonisch besessen sind, nicht in persona sprechen, sondern sich auf Geheiß außermenschlicher Mächte äußern. Neuro- und psychologisch ← 163 | 164 → betrachtet, sind solche ebenfalls dokumentierten Phänomene relativ ungeklärt....

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.