Show Less
Restricted access

Mutter- und Vaterbilder im Familienrecht des BGB 1900–2010

Series:

Moritz Hinz

Die Normen des Bürgerlichen Gesetzbuchs über die Rechtsstellung von Müttern und Vätern im Bereich des Rechts der elterlichen Sorge beruhen zum Teil auf stereotypen Rollenbildern und tradierten Funktionszuschreibungen. Die langlebigsten Vorstellungen bestimmter Charaktere finden sich im Nichtehelichenrecht. Der Autor zeichnet die Entwicklung der Mutter- und Vaterbilder sowohl im Bereich des ehelichen wie auch des nichtehelichen Kindschaftsrechts in historischen Zeitabschnitten nach. Die Untersuchung beginnt mit den Grundlagen des modernen deutschen Familienrechts in der Aufklärung und folgt der Entwicklung über das deutsche Kaiserreich, die Weimarer Republik, die nationalsozialistische Periode bis in die heutige Bundesrepublik. Detailliert untersucht werden dabei die jeweils geltenden Normen, Gesetzesmaterialien, die Rechtsprechung sowie ein breites Spektrum zeitgenössischer rechtswissenschaftlicher Literatur. Der Autor nimmt Stellung zu alten und neuen Stereotypen im Familienrecht wie denen des Zahlvaters und des an seinem nichtehelichen Kinde desinteressierten Vaters und zum Bestehen eines Muttermythos.
Show Summary Details
Restricted access

D. Reformstand

Extract

Um den Vorgaben des BVerfG (und des EGMR) zur Schaffung eines sowohl verfassungs- als auch zeitgemäßen Sorgerechts nachzukommen, beschloss das CDU/FDP geführte Bundeskabinett am 04.07.2012 den „Entwurf eines Gesetzes zur Reform der elterlichen Sorge nicht miteinander verheirateter Eltern“.1247 Die Bundesregierung rückte in der dazu ergangenen Pressemitteilung1248 vom 04.07.2012 zunächst das im Entwurf enthaltene „neue gesellschaftlicher Leitbild der elterlichen Sorge“ in den Vordergrund angesichts einer Verdoppelung des Anteils nicht ehelich geborener Kinder seit 1995. Der Entwurf soll laut Pressemitteilung explizit die Rechte unverheirateter Väter durch einen vereinfachten Zugang zur gemeinsamen Sorge auch ohne Einwilligung der Mutter stärken, Gleichberechtigung beider Elternteile herstellen und allgemein der gesellschaftlichen Entwicklung Rechnung tragen.

Nach dem vorliegenden Regierungsentwurf1249 möchte die Reform „in Umsetzung des neuen Leitbildes, dass möglichst eine gemeinsamen Sorgetragung erfolgen soll“ dort eine gemeinsame elterliche Sorge erreichen, wo es dem Kindeswohl nicht widerspricht.1250 Als eines der zentralen Ziele der Reform nennt es die Bundesregierung, dem Vater den Zugang zur gemeinsamen Sorge auch ohne Zustimmung der Mutter zu eröffnen.1251

Nach wie vor entsteht auch nach dem Entwurf die gemeinsame Sorge beider Elternteile durch Abgabe einer übereinstimmenden Sorgeerklärung oder durch Heirat der Eltern, § 1626a Abs. 1 Nr. 1, 2 d.E. Als dritte Möglichkeit sieht § 1626a Abs. 1 Nr.3 d.E. nun auch eine Übertragung der gemeinsamen Sorge durch das Familiengericht vor. Beide Elternteile können nach § 1626a Abs. 3 ← 319 | 320 → d.E. das Familiengericht anrufen; dem Vater steht es frei zunächst...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.