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Mutter- und Vaterbilder im Familienrecht des BGB 1900–2010

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Moritz Hinz

Die Normen des Bürgerlichen Gesetzbuchs über die Rechtsstellung von Müttern und Vätern im Bereich des Rechts der elterlichen Sorge beruhen zum Teil auf stereotypen Rollenbildern und tradierten Funktionszuschreibungen. Die langlebigsten Vorstellungen bestimmter Charaktere finden sich im Nichtehelichenrecht. Der Autor zeichnet die Entwicklung der Mutter- und Vaterbilder sowohl im Bereich des ehelichen wie auch des nichtehelichen Kindschaftsrechts in historischen Zeitabschnitten nach. Die Untersuchung beginnt mit den Grundlagen des modernen deutschen Familienrechts in der Aufklärung und folgt der Entwicklung über das deutsche Kaiserreich, die Weimarer Republik, die nationalsozialistische Periode bis in die heutige Bundesrepublik. Detailliert untersucht werden dabei die jeweils geltenden Normen, Gesetzesmaterialien, die Rechtsprechung sowie ein breites Spektrum zeitgenössischer rechtswissenschaftlicher Literatur. Der Autor nimmt Stellung zu alten und neuen Stereotypen im Familienrecht wie denen des Zahlvaters und des an seinem nichtehelichen Kinde desinteressierten Vaters und zum Bestehen eines Muttermythos.
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B. Forschungsstand

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Die rechtswissenschaftliche Literatur zur Historie des Familienrechts im Allgemeinen und zum Kindschaftsrecht im Besonderen hat inzwischen einen bemerkenswerten Umfang erreicht. Die Entstehungsgeschichte des Familienrechts des BGB findet dabei vergleichsweise wenig Beachtung in der rechtshistorischen Forschung.3 Gleiches gilt (noch) für Veröffentlichungen zum Familienrecht im Nationalsozialismus.4 Deutlich umfangreicher wird die Anzahl der Beiträge zur Entwicklung verschiedener Teilaspekte des Familienrechts in der BRD nach 1945.5 ← 17 | 18 →

Eine eingehende Berücksichtigung des Einflusses stereotyper Vorstellungen hinsichtlich der Rechtssubjekte „Mutter“ und „Vater“ bei Gesetzgeber wie Rechtsanwender blieb zumeist aus oder beschränkte sich auf Teilaspekte. Eine gewisse Ausnahme bildet dabei zunächst die Geschichte des Nichtehelichenrechts. Obgleich hier eine Vielzahl der Beiträge die Motive des Gesetzgebers in Hinblick auf die Ausgestaltung des jeweiligen Untersuchungsgegenstandes in unterschiedlichem Umfang darstellen und bewerten,6 fehlt aber bisher eine umfassende Untersuchung der Familienrechtsgeschichte des letzten Jahrhunderts unter dem zentralen Aspekt der zugrunde liegenden Rollenbilder und Stereotypen in den Rechtsverhältnissen von Müttern und Vätern. Dabei erscheint es am Beginn des 21. Jahrhunderts nach einer weitgehenden Gleichstellung von nichtehelichen Kindern wie Eltern und einer zunehmenden Erosion der rechtlichen Vorrangstellung der Institution Ehe angezeigt, beide Formen rechtlich geregelter Mutter- und Vaterschaft gemeinsam zu untersuchen.

Die bisher verfügbaren Beiträge speziell zu stereotypen Rollenbildern im Familienrecht von Scheiwe7, Limbach8, Peschel-Gutzeit,9 Coester-Waltjen10, Lucke11 sowie zuletzt speziell zum Vaterbild Kroppenberg12 waren verdienstvoll, blieben ← 18 | 19 → aber insgesamt doch vereinzelt und aufgrund ihrer Veröffentlichungsform in der Betrachtung notwendig summarisch. Eine umfangreichere...

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