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Mutter- und Vaterbilder im Familienrecht des BGB 1900–2010

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Moritz Hinz

Die Normen des Bürgerlichen Gesetzbuchs über die Rechtsstellung von Müttern und Vätern im Bereich des Rechts der elterlichen Sorge beruhen zum Teil auf stereotypen Rollenbildern und tradierten Funktionszuschreibungen. Die langlebigsten Vorstellungen bestimmter Charaktere finden sich im Nichtehelichenrecht. Der Autor zeichnet die Entwicklung der Mutter- und Vaterbilder sowohl im Bereich des ehelichen wie auch des nichtehelichen Kindschaftsrechts in historischen Zeitabschnitten nach. Die Untersuchung beginnt mit den Grundlagen des modernen deutschen Familienrechts in der Aufklärung und folgt der Entwicklung über das deutsche Kaiserreich, die Weimarer Republik, die nationalsozialistische Periode bis in die heutige Bundesrepublik. Detailliert untersucht werden dabei die jeweils geltenden Normen, Gesetzesmaterialien, die Rechtsprechung sowie ein breites Spektrum zeitgenössischer rechtswissenschaftlicher Literatur. Der Autor nimmt Stellung zu alten und neuen Stereotypen im Familienrecht wie denen des Zahlvaters und des an seinem nichtehelichen Kinde desinteressierten Vaters und zum Bestehen eines Muttermythos.
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C. Entwicklungen des Vater- und Mutterbildes in der Weimarer Republik

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Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges stand das Deutsche Reich vor fundamental veränderten Situationen in Bereichen, die für das Familienrecht von einiger Bedeutung waren. Hier ist zunächst die Debatte um die Erwerbstätigkeit der Frau und Mutter zu nennen. Die bereits im Kaiserreich verstärkt einsetzende außerhäusliche Erwerbstätigkeit der Frau und Mutter erreichte im Krieg infolge des Arbeitskräftemangels ihren vorläufigen Höhepunkt und stieg bis zum Ende der Weimarer Republik weiter an.298 Wenn auch der Hauptanteil der weiblichen Arbeitskräfte im außerhäuslichen Bereich ledige oder verwitwete Frauen waren, so erhöhte sich doch der Anteil verheirateter Frauen leicht von 7,3 Prozent (1895) auf 9,4 Prozent (1933) in diesem Arbeitsplatzsegment. Zählt man die im Familienbetrieb mithelfenden Frauen hinzu, waren 1933 insgesamt 29,2 Prozent aller verheirateten Frauen erwerbstätig.299 Der Anteil der Frauen an der Gesamtzahl aller Erwerbstätigen betrug zwischen 35,8 Prozent (1925) und 35,5 Prozent (1933).300

Diese Entwicklung musste unmittelbare Auswirkungen auf die Familie und die Situation der Frau als Mutter haben, stand doch die außerhäusliche Erwerbstätigkeit der verheirateten Frau im Konflikt zu ihrer hergebrachten, dem bürgerlichen Familienideal entstammenden „natürlichen Bestimmung“ zur Mutterschaft als alleinige Form weiblichen Seins. Angesichts einer Arbeitsplatzkonkurrenz in Zeiten hoher Männerarbeitslosigkeit und eines neuen, sich andeutenden Rollenverständnisses, das von dem traditionellen Leitbild des Vaters als Familienernährer abwich, richtete sich eine Kampagne gegen das als individualistisch-egoistisch empfundene „Doppelverdienertum“ der verheirateten...

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