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Der Koch ist der bessere Arzt

Zum Verhältnis von Diätetik und Kulinarik im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit- Fachtagung im Rahmen des Tages der Geisteswissenschaften 2013 an der Karl-Franzens-Universität Graz, 20.6.–22.6.2013

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Edited By Andrea Hofmeister-Winter, Helmut W. Klug and Karin Kranich

Vorbeugen ist besser als heilen – unter diesem Motto lässt sich die Bedeutung der Gesundheitsvorsorge in Mittelalter und Früher Neuzeit zusammenfassen. 16 Fachbeiträge von international angesehenen Wissenschaftler/innen und jungen Nachwuchsforscher/innen aus den Fächern Germanistische Literatur- und Sprachwissenschaft, Geschichtswissenschaft/Medizingeschichte, Volkskunde, Archäologie, Kunstgeschichte und Theologie widmen sich in quellennahen Studien breit gestreuten Aspekten der Gesundheitslehre und der Kulinarik des (vorwiegend) deutschsprachigen Raums von der Antike bis in die Barockzeit. Die einzelnen Beiträge beleuchten vielfältige Fragestellungen aus unterschiedlichsten Perspektiven und wollen so diesem transdisziplinären Forschungsbereich neue, grundlegende Impulse verleihen.
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Vorwort

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Als eines der Grundbedürfnisse des Menschen ist die Ernährung in allen Kulturen ein wichtiges Thema und erstreckt sich über die verschiedensten Lebensbereiche. Dieser Umstand spiegelt sich auch in den Quellen des Mittelalters und der Frühen Neuzeit wider, wo Fragen der Nahrung und Nahrungsaufnahme nicht nur in zahlreichen Sparten der Artesliteratur und in geistlichen Traktaten über Fastengebote und die Todsünde gula abgehandelt werden, sondern sogar in der poetischen Literatur eine Rolle spielen.

In welch zahlreicher Facettierung Essen und Trinken den Alltag des mittelalterlichen Menschen prägten, mögen einige Beispiele aus der höfischen Dichtung demonstrieren: Die Versnovelle Helmbrecht aus der Mitte des 13. Jahrhunderts diskutiert Standesunterschiede der mittelalterlichen Gesellschaft und lässt viele Argumentationsbögen über Beispiele aus dem Bereich der Ernährung laufen: Dem Adeligen gebühren Wildbret, Fisch und das weiße Hühnerfleisch, der Bauer muss sich jedoch mit Haferbrei und den redensartlich zur Zwillingsformel verschmolzenen Gemüsesorten ‚Kraut und Rüben‘ zufrieden geben. Im Herbstlied des Dichters Steinmar wendet sich das lyrische Ich nach verschmähter Liebe lukullischen Freuden zu und interpretiert – wohlig getröstet durch kräftig gewürzten Gänsebraten und Wein – auf seine Weise das Sprichwort, demzufolge Liebe durch den Magen gehe. Der aberwitzige Streit zwischen einer Königstochter und einem Ritter im Märe Die halbe Birne, das Konrad von Würzburg zugeschrieben wird, entwickelt sich aus einem faux pas bei Tisch, bei dem die höfischen Benimmregeln sträflich vernachlässigt werden.

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