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Erschwerte Lektüren

Der literarische Text im 20. Jahrhundert als Herausforderung für den Leser

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Edited By Helke Kuhn and Beatrice Nickel

Im 20. Jahrhundert werden verstärkt abstrakte literarische Texte erzeugt, die als semiotische Angebote komponiert sind. Die Generierung der semantischen Dimension des Textes wird dabei in unterschiedlichem Maße an den Leser delegiert, und zwar im Sinne nicht abschließbarer, auf semiotischen Strukturen basierender Interpretationsprozesse oder der Generierung von literarischen Texten, die der Autor dem Leser in Form von potenziellen Texten oder Textangeboten bereitgestellt hat. Dieser Band verfolgt das Ziel, den literarischen Text im 20. Jahrhundert als Herausforderung und zugleich als Provokation zur Sinnproduktion für den Leser zu erfassen und an mustergültigen Fallstudien aus dem gesamten Bereich der Romania und dem gesamten Bereich der Literatur zu erläutern.
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Inizi difficili – Das Incipit als Problemzone im italienischen Roman der Moderne

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Dietrich Scholler (Mainz)

Inizi difficili — Das Incipit als Problemzone im italienischen Roman der Moderne

This paper presents the incipit as a highly condensed textual zone by examining the beginnings of four Italian novels (D’Annunzio, Pasolini, Calvino, De Carlo). It becomes clear that the incipit challenges the reader to a high degree and forces him to a particularly attentive – and therefore slow – reading.

Aller Anfang ist schwer – sagt man. In diesem Sinne haben es auch Romananfänge mitunter in sich, insbesondere solche in Romanen des 20. Jahrhunderts. Sie nehmen den Leser nicht länger an die Hand, stattdessen fühlt er sich an der Schwelle zur Fiktion nur allzu oft verlassen. Denn moderne Eröffnungen sind mitunter rätselhaft, wenn nicht defätistisch, mindestens aber anstrengend. Andererseits enthält das Incipit als ästhetisch hoch verdichtete Textzone manchen Reiz parat, ja, vielleicht lädt es gerade durch seine ästhetische Widerständigkeit zur vertieften literaturwissenschaftlichen Analyse ein. Denn als diffiziler Textrandzonenbereich können Romananfänge in erhöhtem Maße verantwortlich sein für jenen Komplexitätsschock, den der Linguist und Literaturwissenschaftler Harald Weinrich für heilsam hält und den er deshalb als probates Remedium für die Didaktik von Literatur empfiehlt. Was meint er damit? – Weinrich (1983) verweist auf das Phänomen, dass das Lernen fremder Sprachen in der Regel über didaktisierte, einer bestimmten Lernprogression folgende Lektionstexte erfolgt. Eugène Ionesco wusste davon ein Lied zu singen, als er sich in seinem...

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