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Der junge Adolf Bastian, 1826 bis 1860

Auf dem Weg zu einer neuen Wissenschaft vom Menschen

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Jutta E. Bellers

Adolf Bastian etablierte die Ethnologie als akademisches Fach. Die Biographie seiner frühen Lebensphase war bislang ethnologiegeschichtlich ein Desiderat. Archivalische Quellen beleuchten Einflüsse auf sein Denken aus dem protestantischen Bremer Bürgertum und seiner Studienzeit im Vormärz. Über ethnologische Fragestellungen hinaus führt dies zu philosophischen Überlegungen seiner Idee einer Wissenschaft vom Menschen, seinen Idealen und Hoffnungen in die Forschung. Impulse dazu entstammen dem Denken Spinozas, Kants, Herder, Humboldt, Krauses und Fechners. Infolgedessen unternimmt er eine Weltreise. In dem neu bearbeiteten Itinerar ist Angola eine seiner Stationen. Zu dieser Etappe verfasste Bastian einen Reisebericht. Dieser enthält seine Sicht auf afrikanische Glaubensvorstellungen.
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3. Studienorte, 1845–1850

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3. Studienorte, 1845–1850

Bastian immatrikulierte sich gut einen Monat nach seinem Abitur, am 28. April 1845, an der Grossherzoglich Badischen Ruprecht Karls Universität Heidelberg.236 Im Verzeichnis der Studierenden wurde er als Wohnungsnehmer bei Hornung’s Erben und als Jurastudent aus Bremen aufgeführt.237

Als Mieter waren Studenten ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor in der um 1850 13.500 Einwohner zählenden Universitätsstadt, die in ihrer Größe hinter Berlin, München, Leipzig, Breslau und Göttingen rangierte. Sie hatte sich mit der Verdopplung der Studierendenzahl auf 800 Immatrikulierte in den ersten dreißig Jahren nach ihrer Neuordnung 1803 als badische Staatsuniversität positiv entwickelt. Die institutionelle Änderung zu Beginn des 19. Jahrhunderts brachte eine Hinwendung zu modernen Denkansätzen, die – ausgehend von W. v. Humboldts Idee einer neuhumanistischen Universität – hier eine eigene Ausprägung fand. Die Theologie war durch die Rechtsphilosophie als leitende Disziplin abgelöst worden; mit dem Begriff der Lehrfreiheit wehrte sich die Universität gegen staatliche Reglementierungen. In den 40er Jahren war Heidelberg der Studienort in Deutschland, an dem die Positionen des südwestdeutschen Liberalismus am stärksten vertreten wurden. Sie war nahezu die einzige Universität, in der auch Professoren – und nicht nur politisierte Studentenverbindungen – Reformen des Staates und eine Einheit der deutschen Nation öffentlich forderten.238

Bastian erlebt hier die Zeit des Vormärz, in der mit der Forderung nach nationaler Einheit liberale, konservative und radikale Ideen zum Staat verbreitet und diskutiert werden. Der Diskurs in Heidelberg beinhaltet die praktische...

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