Show Less
Restricted access

Vom NS-Volkstum- zum Vertriebenenfunktionär

Die Gründungsmitglieder des "Südostdeutschen Kulturwerks</I> München und der Landsmannschaften der Deutschen aus Rumänien, Ungarn und Jugoslawien

Johann Böhm and Klaus Popa

In dieser Studie werden jene Personen der Öffentlichkeit in Erinnerung gebracht, die die Kriminalität des staatlich institutionalisierten Nationalsozialismus innerhalb der deutschen Volksgruppen in Rumänien, Ungarn und dem ehemaligen Jugoslawien unterstützten und die deutsche Bevölkerung einem verbrecherischen Regime auslieferten. Nach 1945 beherrschten diese ehemaligen Nazis nicht nur die Landsmannschaften der Deutschen aus diesen Ländern in der Bundesrepublik Deutschland, sondern auch das Südostdeutsche Kulturwerk und die Südostdeutschen Vierteljahresblätter. So konnten sie ihre fragwürdige Geschichtsauffassung ungestört verbreiten und ihre Kritiker mit Schmähkampagnen und Einschüchterungsversuchen verunglimpfen. Deshalb widmet sich diese Arbeit der Frage, wie es möglich war, dass sich diese Vertriebenenpolitiker mit brauner Vergangenheit nach 1945 wieder an die Spitze ihrer Landsleute setzen konnten.
Show Summary Details
Restricted access

I. Vertriebenenpolitiker mit NS-Vergangenheit im „Südostdeutschen Kulturwerk“

Extract



Von Johann Böhm

Prof. Dr. Friedrich Valjavec

Friedrich Valjavec wurde am 26. Mai 1909 in Wien als Sohn eines österreichischen Beamten in Agram (Zagreb) geboren und starb am 10. Februar 1960 in Prien am Chiemsee. Er wuchs in Werschetz (Banater Kleinstadt) auf. Ab 1919 lebte er in Budapest und absolvierte hier 1930 die Reichsdeutsche Oberrealschule.12 In dieser Zeit knüpfte er Kontakte zu den führenden Politikern der Deutschen in Ungarn, Jakob Bleyer13 und Edmund Steinacker.14 1930 zog seine Familie nach Wien und im November des gleichen Jahres treffen wir ihn als Student in München an, wo er an der Universität Geschichte studierte und 1934 bei Prof. Karl Alexander von Müller15 promovierte. Bereits seit 1932 war Valjavec bei dem im Jahre 1930 gegründeten Südost-Instituts tätig. Nach der Promotion wurde er hauptamtlicher wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut. 1935 erhielt er von der Deutschen Forschungsgemeinschaft ein Stipendium, um die Geschichte der Deutschen im Südosten von 1780 bis 1918 zu entwerfen.16 1938 ernannte ← 17 | 18 → man Valjavec zum Geschäftsführer des Südost-Instituts in München17 und 1943 zum stellvertretenden Leiter. Bis 1941 war er jugoslawischer Staatsangehöriger18, am 10. Juni 1941 erhielt er die deutsche Staatsbürgerschaft.

Die Aufgabe des Südost-Instituts war neben der Betreuung der deutschen Volksgruppen in Südosteuropa auch die historisch-geographische Erforschung dieses Raums. Eine wichtige Rolle spielte dabei die seit 1936 herausgegebene Zeitschrift des Instituts Südostdeutsche Forschungen, die 1940 in...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.