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Vom NS-Volkstum- zum Vertriebenenfunktionär

Die Gründungsmitglieder des "Südostdeutschen Kulturwerks</I> München und der Landsmannschaften der Deutschen aus Rumänien, Ungarn und Jugoslawien

Johann Böhm and Klaus Popa

In dieser Studie werden jene Personen der Öffentlichkeit in Erinnerung gebracht, die die Kriminalität des staatlich institutionalisierten Nationalsozialismus innerhalb der deutschen Volksgruppen in Rumänien, Ungarn und dem ehemaligen Jugoslawien unterstützten und die deutsche Bevölkerung einem verbrecherischen Regime auslieferten. Nach 1945 beherrschten diese ehemaligen Nazis nicht nur die Landsmannschaften der Deutschen aus diesen Ländern in der Bundesrepublik Deutschland, sondern auch das Südostdeutsche Kulturwerk und die Südostdeutschen Vierteljahresblätter. So konnten sie ihre fragwürdige Geschichtsauffassung ungestört verbreiten und ihre Kritiker mit Schmähkampagnen und Einschüchterungsversuchen verunglimpfen. Deshalb widmet sich diese Arbeit der Frage, wie es möglich war, dass sich diese Vertriebenenpolitiker mit brauner Vergangenheit nach 1945 wieder an die Spitze ihrer Landsleute setzen konnten.
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1. Heinrich Zillich nach 1945

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Heinrich Zillich nach 1945

Von Klaus Popa

Im ersten Teil wurde die tiefe Verwurzelung Zillichs im völkischen und schließlich im NS-Gedankengut anschaulich vermittelt vor dem Hintergrund des geschichtlichen Weges, den seine Minderheit, die Siebenbürger Sachsen bis in das sich als einheitlicher Nationalstaat verstehende Königreich Großrumänien einschlug, was zeitlich mit der Weimarer Republik und Hitlers „Großdeutschland“ bis zum Desaster des Mai 1945 übereinstimmt. Die Periode 1945-1998 zeigt nun einen in fortwährender Konfrontation und sturer Ablehnung des demokratischen Selbstverständnisses des neuen Staates Bundesrepublik Deutschland begriffenen Zillich, der die Vernichtung des Hitlerstaates nicht verkraften konnte und der allgemeinen Ablehnung und internationalen Verdammung des NS und dessen Träger, sowie der, zumindest bis 1949 von den Besatzungsmächten recht systematisch betriebenen „Entnazifizierung“ abweisend gegenüberstand. Trotz dieser prinzipiellen Ablehnung der demokratischen Werte und seiner feindseligen Einstellung gegenüber der neuen Nachkriegsordnung fand Zillich zusammen mit seinen alten, uneinsichtigen Gesinnungsgenossen in den zahlreichen Nischen, welche die Bundesrepublik Adenauers und deren Nachfolger bis in die heutige Zeit den so genannten „Unbelehrbaren“ und deren geschichtsrevisionistischen und politisch restaurativen Bestrebungen bot, einen recht weiten und üppigen Rahmen, um seine Uneinsichtigkeit und seinen Frust in einem Geflecht ressentimentkultureller Akzentsetzungen und Äußerungsformen auszuleben. So fand das nun ohne Partei und „Reich“ dastehende, engagierte NSDAP-Mitglied Zillich, eine erste politische Heimat als Vorsitzender (1952-1959) und Sprecher der „Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen“ (bis 1963) und im „Vertriebenenverband“. Er artikulierte seine Ansichten sowohl im Organ der Landsmannschaft, der Siebenb...

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