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Die Landesheil- und Pflegeanstalt Tiegenhof

Die nationalsozialistische "Euthanasie</I> in Polen während des Zweiten Weltkrieges

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Enno Schwanke

Die Studie beleuchtet in ihrer Analyse die Geschehnisse an der einstigen polnischen Anstalt Dziekanka, die ab 1939 mit der Einnahme durch die deutsche Wehrmacht in Tiegenhof umbenannt und zunehmend zu einer Tötungsanstalt umfunktioniert wurde. Auf Grundlage von Zeugenaussagen und Strafermittlungsakten aus dem Bundesarchiv Ludwigsburg werden die Geschehnisse in Tiegenhof von 1939 bis 1945 rekonstruiert und gleichzeitig ein Schlaglicht auf die Anfänge der nationalsozialistischen Euthanasie geworfen. Die Studie weist nach, dass der frühe Patientenmord im Reichsgau Wartheland wesentlich durch das gaueigene SS-Sonderkommando Lange, eine eigene Euthanasie-Zentrale und den überzeugten Nationalsozialisten und Reichsstatthalter Arthur Greiser bedingt war.
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1. Einleitung

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1. Einleitung

1.1 Gegenstand der Untersuchung

Mit dem Überfall deutscher Wehrmachtsverbände auf Polen am 1. September 1939 begann ein Krieg, dessen Hauptcharakteristikum die Vernichtung von Millionen Menschenleben war. Eine der ersten systematischen Vernichtungsaktionen betraf dabei geistig und körperlich oder als krank deklarierte Menschen. Ein Privatschreiben Adolf Hitlers im Oktober 1939 ermächtigte seinen Begleitarzt Karl Brandt und den Chef der Kanzlei des Führers, Reichsleiter Philipp Bouhler, dazu, „die Befugnisse namentlich zu bestimmender Ärzte so zu erweitern, daß nach menschlichem Ermessen unheilbar Kranken bei kritischster Beurteilung ihres Krankheitszustandes der Gnadentod gewährt werden kann“1. Zweifellos ging es hierbei nicht um eine Sterbeerleichterung, wie die verwischenden Äußerungen suggerieren. Mit der Rückdatierung der Ermächtigung auf den Tag des deutschen Überfalls auf Polen, rückte Hitler das Programm neben der gewaltsamen Dezimierung im Inneren in einen engen Zusammenhang zur außenpolitischen Expansion. Ausgehend von dieser Anweisung sind allein im besetzten Polen mindestens 26.000 Menschen umgebracht worden, schätzungsweise 15.000 davon allein bis Ende des Jahres 1941.2 Während in den sechs Tötungsanstalten der „Aktion T4“ (Grafeneck, Brandenburg, Hartheim, Pirna-Sonnenstein, Bernburg, Hadamar) erste Vergasungen ab Januar 1940 erst langsam anliefen, waren die meisten psychiatrischen Anstalten im besetzten Polen zu diesem Zeitpunkt schon leergemordet.

Die vorliegende Arbeit widmet sich in ihrer Betrachtung einer dieser Anstalten in Polen, die durch die nationalsozialistische Besatzung von einer Heil- und Pflegeanstalt zur Tötungsanstalt umfunktioniert wurde: der Anstalt Tiegenhof ← 9 | 10 → im Reichsgau Wartheland. Die besondere...

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