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Die Landesheil- und Pflegeanstalt Tiegenhof

Die nationalsozialistische "Euthanasie</I> in Polen während des Zweiten Weltkrieges

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Enno Schwanke

Die Studie beleuchtet in ihrer Analyse die Geschehnisse an der einstigen polnischen Anstalt Dziekanka, die ab 1939 mit der Einnahme durch die deutsche Wehrmacht in Tiegenhof umbenannt und zunehmend zu einer Tötungsanstalt umfunktioniert wurde. Auf Grundlage von Zeugenaussagen und Strafermittlungsakten aus dem Bundesarchiv Ludwigsburg werden die Geschehnisse in Tiegenhof von 1939 bis 1945 rekonstruiert und gleichzeitig ein Schlaglicht auf die Anfänge der nationalsozialistischen Euthanasie geworfen. Die Studie weist nach, dass der frühe Patientenmord im Reichsgau Wartheland wesentlich durch das gaueigene SS-Sonderkommando Lange, eine eigene Euthanasie-Zentrale und den überzeugten Nationalsozialisten und Reichsstatthalter Arthur Greiser bedingt war.
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3. Institutionelle Bedingungen des frühen Krankenmordes im Reichsgau Wartheland

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3. Institutionelle Bedingungen des frühen Krankenmordes im Reichsgau Wartheland

3.1 Arthur Greiser und die Entstehung eines „Mustergaus“

Der Reichsgau Wartheland unterschied sich deutlich von den übrigen Gauen in Deutschland oder Österreich. Betrachtet man allein die Forschungsliteratur, finden sich einzelne Ausführungen dazu eher unter der Thematik Besatzungspolitik als unter Staat und NSDAP.124 Verhältnismäßig wenig ist daher über die Herrschaftsstruktur bekannt. Vergleicht man die Gegebenheiten des Warthegaus mit anderen Gauen im Westen, offenbaren sich deutliche Parallelen bei Personal und Staatsaufbau. Mit Blick nach Osten zeigt sich aber, dass sowohl die Kompetenzen als auch die Machtausübung starke Ähnlichkeiten mit den besetzten Gebieten hatte, obwohl hier eine ganz andere Verwaltungsstruktur vorherrschte. Der Reichsgau war nicht nur Resultat des Vernichtungskrieges gegen Polen,125 sondern lag auch vollständig im okkupierten Teil des polnischen Gebietes und hatte daher entsprechend eine ausländische Bevölkerungsmehrheit. Die Planungen für den Angriff auf Polen setzten bereits im März 1939 ein. Dass es dabei nicht um einen konventionellen Eroberungskrieg, sondern um eine Eroberung von „Lebensraum“ ging, machte Hitler unmissverständlich in seiner Ansprache am 22. August 1939 vor den Oberbefehlshabern der Wehrmacht klar.126 Grundlage für die ersten Tage der Besatzung bildete Hitlers Verfügung vom 25. August 1939. Demnach hatte der Oberbefehlshaber des Heeres die Befugnis zur Ausübung der vollziehenden Gewalt. Dieser wiederum übertrug die alleinige Verantwortung den Armeeoberbefehlshabern in den besetzten Gebieten. Bereits vor Beginn der militärischen Operationen wurde den einzelnen Armeeoberkommandos ← 41 | 42 → vom...

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