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Die Landesheil- und Pflegeanstalt Tiegenhof

Die nationalsozialistische "Euthanasie</I> in Polen während des Zweiten Weltkrieges

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Enno Schwanke

Die Studie beleuchtet in ihrer Analyse die Geschehnisse an der einstigen polnischen Anstalt Dziekanka, die ab 1939 mit der Einnahme durch die deutsche Wehrmacht in Tiegenhof umbenannt und zunehmend zu einer Tötungsanstalt umfunktioniert wurde. Auf Grundlage von Zeugenaussagen und Strafermittlungsakten aus dem Bundesarchiv Ludwigsburg werden die Geschehnisse in Tiegenhof von 1939 bis 1945 rekonstruiert und gleichzeitig ein Schlaglicht auf die Anfänge der nationalsozialistischen Euthanasie geworfen. Die Studie weist nach, dass der frühe Patientenmord im Reichsgau Wartheland wesentlich durch das gaueigene SS-Sonderkommando Lange, eine eigene Euthanasie-Zentrale und den überzeugten Nationalsozialisten und Reichsstatthalter Arthur Greiser bedingt war.
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5. Das Sterben geht weiter – Die Vernichtung der Tiegenhofer Patienten ab Herbst 1941

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5. Das Sterben geht weiter – Die Vernichtung der Tiegenhofer Patienten ab Herbst 1941

5.1 Radikalisierung im Umgang mit dem polnischen Personal

Kurz nach den letzten Abtransporten im Juli 1941 durch das Sonderkommando Lange und dem „Euthanasie“-Stopp am 24. August 1941 kam es in Tiegenhof zu gravierenden personellen Veränderungen in der Führungsebene. Aus der amtlichen Meldebescheinigung Ratkas geht hervor, dass er sich am 26. August 1941 aus Tiegenhof abmeldete.378 Kurz darauf wird er von der „T4-Zentrale“ ab dem 1. September als offizieller Gutachter geführt.379 Aus den Akten geht jedoch nicht hervor, wann ein offizieller Bescheid zur Einberufung kam. Innerhalb des Anstaltswesens führte dies zu Spekulationen. So sei gerade das Verhältnis zu dem polnischen Personal und die Nichtakzeptanz Ratkas durch das deutsche Personal ein Grund für die Abberufung gewesen.380 An anderer Stelle vermutete man, dass Ratka „als Volksdeutscher das Deutsche annehmen [sollte]“381. Inwiefern die Gerüchte bewusst gestreut wurden oder aber Resultat der reinen Abwesenheit waren, lässt sich nicht endgültig herausfinden. Es gibt lediglich bei einzelnen Verwaltungsangehörigen Indizien für die wahren Gründe von Ratkas Abwesenheit. So berichtet der Verwaltungssekretär Wilhelm Heiden, dass „Dr. Ratka (…) des öfteren [sic!] für längere Zeit abwesend [war]. Er erzählte mir einmal, er müsse verschiedene Anstalten besuchen. Es sei zwar ein ehrenvoller Auftrag aber ein belastender. […] Ich hatte den Eindruck, daß der ehrenvolle Auftrag eine Geheimsache war.“382 Ratka bereiste in der Tat in seiner Abwesenheit...

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