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Herr Puntila und sein Knecht Matti

Die Entwicklung einer gemeinsamen Stückkonzeption und zahlreicher verschiedener Textderivate von Bertolt Brecht (Margarete Steffin) und Hella Wuolijoki

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Marja-Liisa Sparka

Die Genesis des Herrn Puntila und sein Knecht Matti von Hella Wuolijoki (1886-1954) und Bertolt Brecht (1898-1956) belebt seit fast 70 Jahren den finnisch-deutschen Literaturdialog und ruft immer wieder Diskussionen über die Entstehung des Werkes hervor. Das Buch analysiert alle bisher bekannten Fassungen des Dramas auf einer historisch-deskriptiven Grundlage. Das Ergebnis der Analyse lässt nur marginale Divergenzen in der Struktur der Derivate erkennen: Die oft nur sprachlich-stilistischen Abweichungen gehen vielfach auf ein unterschiedliches Textverständnis zwischen der Ausgangs- und der Zielsprache zurück. Damit widerspricht die Autorin der gelegentlich in der Brecht-Forschung vertretenen Auffassung, Wuolijokis finnischsprachige Überarbeitung des Brechtschen Puntila sei «die letzte Verzweigung des toten Asts jener Mischfassung, die keinem der beiden Autoren gerecht wird» (Hans Peter Neureuter).
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3 Analyse der gemeinsamen Stückvorlage

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Dem Theaterstück Puntila und sein Knecht Matti liegt ein reales Ereignis im engsten Familienkreis von Hella Wuolijoki zugrunde. Den Rahmen bildet die Geburtstagsfeier der Autorin am 22. Juli 1926, die in Anwesenheit von vielen Gästen auf Gut Marlebäck im südfinnischen Kausala, ca. zwei Autostunden von Helsinki entfernt, gefeiert wurde. Unter ihnen befinden sich englische Geschäftsfreunde der Hausherrin sowie Roope Juntula (1871-1952), Ehemann einer Cousine von Sulo Wuolijoki, Hella Wuolijokis geschiedenem Mann.

Der Überlieferung nach „saßen die Gäste an jenem Juliabend vor dem Geburtstag im Salon des Gutshauses noch angeregt beisammen, bis Schwägerin Tyyne mit dem Abräumen des (eigentlich streng prohibitionierten) Alkohols das Zeichen zum Schlafengehen gab. Roope rechtete vergebens mit ihr und trumpfte zuletzt auf, er werde sich eben selber Schnaps besorgen, und zwar gesetzlichen. Er brach den Autoschuppen auf und fuhr mitten in der Nacht mit seinem kleinen Ford in das 17 km entfernte Eisenbahndorf Kausala, bekam dort vom Tierarzt ein Rezept und in der Apotheke eine große Flasche Alkohol, mit der er triumphierend nach Märlebäck zurückkehrte. Da die gute Gesellschaft noch schlief, landete er zunächst in der Küche, wo der Arbeitstag gerade begann, „saß dort sonnig und selig, mit rot leuchtendem Angesicht und struppigem Haar [V. Tuomioja], trank Kaffee mit Schnaps, verteilte Hundertmarkscheine an die Chauffeure, schäkerte mit den Mägden und erzählte einer wachsenden Menge immer von neuem seine Abenteuer: wie er die Leute aus dem Haus geklopft...

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