Show Less
Restricted access

Herr Puntila und sein Knecht Matti

Die Entwicklung einer gemeinsamen Stückkonzeption und zahlreicher verschiedener Textderivate von Bertolt Brecht (Margarete Steffin) und Hella Wuolijoki

Series:

Marja-Liisa Sparka

Die Genesis des Herrn Puntila und sein Knecht Matti von Hella Wuolijoki (1886-1954) und Bertolt Brecht (1898-1956) belebt seit fast 70 Jahren den finnisch-deutschen Literaturdialog und ruft immer wieder Diskussionen über die Entstehung des Werkes hervor. Das Buch analysiert alle bisher bekannten Fassungen des Dramas auf einer historisch-deskriptiven Grundlage. Das Ergebnis der Analyse lässt nur marginale Divergenzen in der Struktur der Derivate erkennen: Die oft nur sprachlich-stilistischen Abweichungen gehen vielfach auf ein unterschiedliches Textverständnis zwischen der Ausgangs- und der Zielsprache zurück. Damit widerspricht die Autorin der gelegentlich in der Brecht-Forschung vertretenen Auffassung, Wuolijokis finnischsprachige Überarbeitung des Brechtschen Puntila sei «die letzte Verzweigung des toten Asts jener Mischfassung, die keinem der beiden Autoren gerecht wird» (Hans Peter Neureuter).
Show Summary Details
Restricted access

9 Schlussbetrachtung

← 258 | 259 →9 Schlussbetrachtung

Extract

„[…] wem das Stück ‚Puntila‘ jetzt eigentlich gehört? Ich halte das für ein sekundäres Problem. Ohne Hella Wuolijoki hätte es Puntila nie gegeben und ohne Brecht würde die „Sägemehlprinzessin“ als stilles Andenken an Wuolijokis aristotelisches Theaterverständnis in den Fächern des Staarsarchivs verstauben […].“1118

Das Ziel dieser Arbeit war es, ein Verfahren zu entwickeln, mit dem die strukturellen Unterschiede zwischen den hier berücksichtigten 12 Fassungen der „Puntila“-Genesis sichtbar gemacht werden konnten. Im Fokus der Untersuchung standen insbesondere die Brecht-Derivate „Abschrift Steffin 1940“, „Puntila 1950/GBA 1989“ und „Puntila 1975“ sowie die Wuolijoki-Derivate „Vorlage Wuolijoki 1940“, „Wettbewerbsfassung 1940“ und „Iso-Heikkilä 1946“, in ihrer Relation zur „ersten Niederschrift 1940“, der Grundfassung aller Derivate.

Die Auswertung der Figurenanalyse auf Grundlage der von Pfister in Punkt 8 genannten Kriterien zur Definition von epischen Kommunikationsstrukturen im Drama zeigt eine Übereinstimmung der „ersten Niederschrift“, BBA 178, mit den Brecht-Derivaten: Abschrift Steffin, BBA 177, Druckfassung Herr Puntila und sein Knecht Matti, „Iso-Heikkilän isäntä ja hänen renkinsä Kalle 1975“ sowie dem Wuolijoki-Derivat „Wettbewerbsfassung Ursus 1940“. Abweichungen bei einem der drei von Pfister aufgeführten Kriterien bestehen bei den Wuolijoki-Derivaten „Vorlage Wuolijoki 1940“ und der Druckfassung „Iso-Heikkilä 1946“. Keine Übereinstimmung besteht hingegen bei den Frühfassungen „Sägemehlprinzessin Bühne“ und „Sägemehlprinzessin Film“, sodass es sich hier nicht um die Anwendung der Theorie des „epischen Theaters“ handelt.

Angesichts der bestehenden Äquivalenz zwischen allen Brecht-Derivaten und dem Wuolijoki-Derivat „Wettbewerbsfassung 1940“ verfügen...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.