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Von der Bildung des Politischen zur politischen Bildung

Politikdidaktische Theorien mit Hannah Arendt weitergedacht

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Evelyn Temme

Hannah Arendt beschäftigt sich in ihren Schriften mit konkreten Erfahrungen in der Welt. Ihr Verständnis von Politik definiert sich durch Phänomenalität und entsteht durch Handeln zwischen den Menschen. Arendt zeigt eine Idee des Politischen, die daran erinnert, dass politisches Handeln Freiheit ist, Freiheit schafft und unterschiedliche Menschen im öffentlichen Raum zusammenführt. Ausgehend von diesen Einsichten zeigt die Verfasserin, dass Arendts Herangehensweise auch für aktuelle politikdidaktische Fragestellungen wegweisend ist. Ihr Werk und ihr in Abgrenzung zu klassischen Theorien entwickeltes politisches Verständnis bietet die Möglichkeit, Konzeptionen politischer Bildung gewinnbringend weiterzudenken.
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2. Kurt Gerhard Fischer: Politische Bildung als praktische Philosophie

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Kurt Gerhard Fischer, 1928 in Leipzig geboren, arbeitete zunächst als Berufsschullehrer, bevor er zu den ersten Inhabern einer politikdidaktischen Professur in Deutschland gehörte.33 Von 1962 bis 1986 lehrte er anfangs als Dozent, später als Professor für Geschichte, Theorie und Didaktik der Gesellschaftswissenschaften bzw. der Politischen Bildung an der Justus-Liebig-Universität in Gießen. Fischer war nicht nur Politikdidaktiker, sondern auch im Bereich der Erwachsenenbildung tätig. Darüber hinaus edierte er die Schriften mehrerer bedeutender Pädagogen – unter anderem von Friedrich Wilhelm Foerster, Don Giovanni Bosco und Adalbert Stifter – und gab sie neu heraus. Mit seinem freiwilligen vorzeitigen Ausscheiden aus dem aktiven Dienst zog sich Fischer auch zunehmend aus den fachlichen Diskursen zurück. 1988 verließ er schließlich Deutschland und lebte bis zu seinem Tode im Dezember 2001 in der Toskana.

Mit dem Erscheinen von Fischers erster Schrift Der politische Unterricht im Jahre 1960, die er mit zwei Koautoren veröffentlichte, wird in der Geschichte der politischen Bildung in Deutschland oftmals der Begriff von der „didaktischen Wende“ in Verbindung gebracht. Darunter ist zunächst einmal die Überzeugung zu verstehen, dass politische Bildung ← 25 | 26 → als ein Teil der allgemeinen Persönlichkeitsbildung notwendig ist – mit der impliziten Aufgabe der Ausbildung demokratisch denkender und handelnder Bürger. Fischers Beitrag, der als erster systematischer Ansatz einer Fachdidaktik gilt, erschien in insgesamt drei Auflagen und wurde von ihm selbst rückblickend als ein Antibuch bezeichnet: „[…] wir sparten nicht mit Anti-Begriffen und Anti-Aussagen wider Partnerschaftserziehung und...

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