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Das Haus Digeon in Frankreich (1096–1856)

Eine genealogische Studie im adelsrechtlichen Kontext des Ancien Régime

Charles Philippe Graf Dijon

Wenig ist bisher über das Haus Digeon, das vom Hundertjährigen Krieg bis Mitte des 19. Jahrhunderts in Aquitanien ansässig war, bekannt gewesen. Dieses Buch schafft erstmals eine Grundlage dafür, die einzelnen Zweige Autramat, Boisverdun und Monteton in eine ordnende und quellenbasierte Gesamtkohärenz zu bringen. Dabei bietet die Darlegung der genealogischen Beziehungen ein nicht unerhebliches Erklärungspotential für die Entwicklung einer vornehmlich protestantischen Adelsfamilie, welche mit prägenden Ereignissen der französischen Geschichte direkt konfrontiert war. Durch den Besitz verschiedener Herrschaftseinheiten wie Baronie, Grafschaft, Marquisat sowie der kleinen Stadt Francescas in Personalunion mit dem König von Frankreich, welche mit der niederen, mittleren und hohen Gerichtsbarkeit einhergingen, war das Geschlecht fest in das seinerzeitige Feudalsystem eingebunden. Damit bewegten sich die Digeons im Kontext des Adelsrechts des Ancien Régime, welches für ihren Aufstieg und weitere Genese maßgeblich sein sollte. Die Ursprünge und Grundlagen des droit nobiliaire werden neben spezifischen Fragen wie dem Erwerb sowie der Transmission von Adelstiteln und -stand sowie Usurpation und Verlust des Adels systematisch behandelt. Mithin dient dieser Teil nicht allein als Referenzgeber; im Verbund mit der Analyse der familiären Zusammenhänge wird das französische Adelsrecht in seiner unmittelbaren Anwendung illustriert.
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2.3.3.4 Die Familie Vernezobre als Nucleus für den Neuanfang in Preußen

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Daneben widerspiegelt dieser Befund den fast schon banalen Schluß, daß man zu allen Zeiten normalerweise zunächst etwas für ein Land geleistet haben muß, bevor einem Beförderungen oder gar Standeserhebungen zuteil wurden. So selbstverständlich dies auch anmuten mag, so wird anhand von François Mathieu de Vernezobre de Laurieux aufzuzeigen sein, daß selbst diese Regel nicht gänzlich frei von Ausnahmen ist. Seiner Person kam eine Schlüsselposition in den genealogischen Beziehungen der Digeon de Monteton zu, da diese ohne seine wohlwollende Unterstützung sowohl in bezug auf die Liebesheirat seiner Tochter Jeanne- Gasparde, als auch hinsichtlich der vollständigen Kostenübernahme für das Rittergut Priort kaum so unmittelbar nach ihrer Auswanderung Aufnahme in den Kreis des grundbesitzenden preußischen Adels gefunden hätten.

Dieweil hier nicht der Raum ist, die Familiengeschichte der Vernezobres in toto darzulegen, soll diese nur in dem Umfang Ausführung erfahren, wie sie für den vorliegenden Untersuchungsgegenstand und vor allem das Verständnis der spezifischen genealogisch-sozialen sowie, daraus resultierend, der adelsrechtlichen Situation dieses Geschlechts maßgeblich ist. Die Familie von François Mathieu de Vernezobre-Laurieux gehörte, wie die beiden Brüder Pierre III. und Charles IV. Digeon de Boisverdun, zu denjenigen französischen Emigranten, welche unmittelbar nach der Aufhebung der Toleranzedikte von Nantes (1685) ihrer alten Heimat den Rücken zukehrten. Ursprünglich stammten sie, wie viele andere Protestanten, aus dem ← 216 | 217 → Süden Frankreichs, genauer aus dem Ort Villemagne im Languedoc. Der kleine...

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