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Das Heilige als Problem der gegenwärtigen Religionswissenschaft

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Edited By Wolfgang Gantke and Vladislav Serikov

Die Beiträge in diesem Sammelband dokumentieren die heutige Diskussion um das Heilige, ein nach wie vor unerledigtes Problem der Religionswissenschaft. Sie wurden auf zwei verschiedenen Veranstaltungen präsentiert: einerseits auf dem Panel «Das Heilige als Problem in der Religionswissenschaft: Fragen und Perspektiven» der 31. Jahrestagung der Deutschen Vereinigung für Religionswissenschaft in Göttingen im September 2013, andererseits auf dem Symposium «Die Diskussion um das Heilige: alte Fragen – neue Antworten» an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main im November 2013. Es geht um drei Themenbereiche: das Werk Rudolf Ottos, Anwendung der Kategorie des Heiligen in der Religionsforschung sowie die theoretische Auseinandersetzung mit der Kategorie des Heiligen.
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Das Heilige als Phänomen des Seins: Ontologie und Ideologie

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Unsere Zustände schreiben wir bald Gott, bald dem Teufel zu, und fehlen ein wie das andere Mal: in uns selbst liegt das Rätsel, die wir Ausgeburt zweier Welten sind.

Johann Wolfgang von Goethe1

Die Grundlage des Mittelalters, i.e. der Epoche des Theo- bzw. Christo-Zentrismus, wie auch sein Geist und sein Bild der Weltordnung, sind rigorose Richtlinien, die auf die folgenden Worte Jesu zurückzuführen sind: „Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren. Wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird es finden“ (Mt 16:24–25); „Und jeder, der Häuser, Brüder, Schwestern, Vater, Mutter, Kinder oder Äcker um meines Namens willen verlassen hat, wird es hundertfach wieder empfangen und das ewige Leben gewinnen“ (Mt 19:29); „Willst du vollkommen sein, so geh hin, verkaufe, was du hast, und gib es den Armen; so wirst du einen Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach“ (Mt 19:21). Die Worte des Apostels Johannes sind nicht weniger eindrucksvoll: „Liebt nicht die Welt und nicht das, was in der Welt ist!“ (1Joh 2:15). Sie stellen nicht nur ein eigenartiges Prinzip des Lebens im Geiste, sondern ein direktes Gebot Gottes dar.

Daher entzweit Christus die Welt mit der Kirche, nachdem er in die Welt gekommen ist. Mit seinem geistigen Schwert schneidet er die Kirche aus der Welt heraus: „Glaubt nicht,...

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