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Das Heilige als Problem der gegenwärtigen Religionswissenschaft

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Edited By Wolfgang Gantke and Vladislav Serikov

Die Beiträge in diesem Sammelband dokumentieren die heutige Diskussion um das Heilige, ein nach wie vor unerledigtes Problem der Religionswissenschaft. Sie wurden auf zwei verschiedenen Veranstaltungen präsentiert: einerseits auf dem Panel «Das Heilige als Problem in der Religionswissenschaft: Fragen und Perspektiven» der 31. Jahrestagung der Deutschen Vereinigung für Religionswissenschaft in Göttingen im September 2013, andererseits auf dem Symposium «Die Diskussion um das Heilige: alte Fragen – neue Antworten» an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main im November 2013. Es geht um drei Themenbereiche: das Werk Rudolf Ottos, Anwendung der Kategorie des Heiligen in der Religionsforschung sowie die theoretische Auseinandersetzung mit der Kategorie des Heiligen.
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Die Religion, das Heilige und die Kultur. Zur dialektischen Dynamik von Sakralität und Kulturalität der Existenz als genuinem Thema authentischer Religion

← 124 | 125 → Edmund Weber

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Auf Grund der evolutionären Entwicklung der Arten hat sich das Bewusstsein der Spezies, die dadurch entstand, nl. der Mensch, radikal verändert. Das neue Bewusstsein zeichnet sich dadurch aus, dass es keinen anderen apriorischen Inhalt hat als sich selbst. Daher ist es in der notwendigen inhaltlichen Bestimmung der Existenz frei. Diesen anthropogenen Urzustand kann man mit unserer philosophischen Tradition auch Geist nennen. Seine spezifische Tätigkeit ist nicht das trieb- und objektgebundene Reagieren, sondern das freie Bewusstsein bzw. das Denken.

Da sich die Existenz damit abfinden muss, dass sie keine letztendliche normative oder determinative Grundbestimmtheit in sich vorfindet, von der sie absolut verbindliche Handlungsnormen abzuleiten hätte, ist Unbestimmbarkeit der Grund der Existenz. Um der Existenz willen sieht sich daher das Bewusstsein genötigt, sich selbst je und je aus der Unbestimmbarkeit in dessen Gegenteil, in eine Bestimmung, zu überführen.

Das einzige Mittel dazu ist der Wille, sich der nunmehr von natürlichen Bezugsobjekten emanzipierten Einbildungskraft zu bedienen.

Doch ein Bestimmungsakt löscht die Unbestimmbarkeit nicht aus. Unbestimmbarkeit und Bestimmung negieren sich zwar gegenseitig; sie sind beide als ihre jeweiligen Widersprüche zugleich aber unzertrennlich aneinander gebunden. Die damit ausgelöste dialektische Dynamik macht das problematische Leben der Existenz aus.

Die existenzielle Auseinandersetzung mit dem konstitutiven dialektischen Verhältnis von unbestimmbarem Grund und bestimmender Gestaltung der Existenz nennen wir in der westlichen Geistestradition seit alters her Religion. Im Unterschied dazu sei als Religionskultur die Artikulation bzw. die Objektivierung von Religion...

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