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Die tiefenpsychologische Krankengeschichte zwischen Wissenschafts- und Weltanschauungsliteratur (1905–1952)

Eine gattungstheoretische und -historische Untersuchung

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Simone Holz

Der Band stellt erstmals eine Gattungstheorie und -historie der «tiefenpsychologischen Krankengeschichte» bereit. Konkret leistet er viererlei: Erstens liefert er durch die Darreichung eines Gattungsmodells ebenjener Untergattung der Großgattung «Krankengeschichte» einen Beitrag zur Gattungstheorie. Zweitens gewinnt er dadurch einen unkonventionellen Zugang zur Literaturgeschichtsschreibung, dass er eine Reihe wissenschaftlicher Publikationen beleuchtet, die als solche gewiss nicht zum klassischen Literaturkanon gehören. Drittens versteht er sich insofern als wissenschaftshistorische Untersuchung, als er die Historie der tiefenpsychologischen Krankengeschichte als «literarisch-soziale Institution» in eine Art Dialog mit der Historie der Tiefenpsychologie als «außerliterarisch-soziale Institution» treten lässt. Und viertens schließlich stellt er einen Beitrag zur Wissenschaftsrhetorik dar.
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1 Einleitung

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»Género literario es, después de todo, la narración del patógrafo.«1 So lautet das Fazit, welches der spanische Arzt, Medizinhistoriker und Schriftsteller Pedro LaÍn Entralgo am Ende seiner geradezu monumentalen Arbeit zur Geschichte und Theorie der »historia clÍnica« zieht, die in der Mitte des 20. Jahrhunderts erschienen ist und zu der er nach eigener Aussage durch Owsei Temkins Studie »Krankengeschichte und Sinnsphäre der Medizin«2 angeregt wurde. Einen vorzugsweise problemgeschichtlichen Ansatz verfolgend untersucht er zahlreiche »historias clÍnicas«, angefangen von Beispielen aus den Büchern I und III der hippokratischen Epidemien bis hin zu solchen aus Viktor von Weizsäckers Studien zur Pathogenese (1935) und Helen Flanders Dunbars Werk Psychosomatic Diagnosis (1943). LaÍn Entralgo kommt zu dem Ergebnis, dass die »historia clÍnica« 25 Jahrhunderte hindurch eine relativ feste Struktur aufweise – »descriptio subjecti, praegressa remota, origo morbi, praegressa proxima, status praesens, cursus morbi, exitus« und im Falle des Ablebens des Kranken zusätzlich eine » inspectio cadaveris«3 –, wobei ihr Inhalt im Laufe der Entwicklung im wahrsten Sinne immer fabelhafter geworden sei.4 Insbesondere aber stellt er eine ganze Serie von konstitutiven und methodischen Schwierigkeiten nebst dazugehörigen Lösungsansätzen heraus, möchte er die »historia clÍnica« doch allem voran als ein gleichermaßen essenzielles wie konstantes Problem verstanden wissen.5

← 13 | 14 → Auch wenn LaÍn Entralgos Arbeit in der deutschsprachigen Medizingeschichte mehrheitlich unberücksichtigt geblieben ist, haben ihre Resultate durchaus Bestätigung gefunden. So spricht Hartmann, der sich als...

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