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Linguistic Construction of Ethnic Borders

Edited By Peter Rosenberg, Konstanze Jungbluth and Dagna Zinkhahn Rhobodes

This volume focuses on the linguistic constructs involved in ethnic borders. Ethnic borders have proven themselves to be surprisingly long-lived: in nearly all European countries and beyond, border demarcation, exclusion of foreigners, and minority conflicts are some of the most persistent challenges for nations and societies. Which linguistic factors play a role in the formation of these borders, especially those drawn along ethnic lines? Which linguistic constructs contribute to the negotiation, establishment and maintenance of ethnic groups and identities? Under which conditions can processes of linguistic convergence, hybrids, or transcultural identities be observed?
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Vorwort der Herausgeber

Vorwort der Herausgeber

Ethnische Grenzen erweisen sich als erstaunlich langlebig.

In nahezu allen europäischen Ländern und weit darüber hinaus gehören ethnische Grenzziehungen, Selbst- und Fremdausgrenzung, Minderheitenkonflikte zu den anhaltenden Herausforderungen in Staat und Gesellschaft.

Europa wächst zusammen, Russland hat eine lange Tradition als Vielvölkerstaat, die USA gelten als das klassische Einwanderungsland schlechthin. Dennoch sind Migration, ethnische Unterschiede und soziale Integration ein Politikum von erheblichem Mobilisierungspotenzial. Ethnizität überlebt offenbar alle Konvergenzprozesse. Wie lässt sich die „Erfolgsgeschichte“ dieser Kategorie erklären? Welche sprachlichen Mittel der Konstruktion sozialer – insbesondere ethnischer – Grenzen tragen hierzu bei? Welche Rolle spielen Sprachen und Sprachvarietäten im Diskurs um die als legitim angesehene Deutung gesellschaftlicher Verhältnisse? Welche sprachlichen Konstruktionsmittel sind es, mit denen die Existenz, die Berechtigung und die Aufrechterhaltung sozialer – insbesondere ethnischer – Gruppen ausgehandelt werden? Unter welchen Bedingungen sind sprachliche Konvergenzprozesse sowie hybride und transkulturelle Identitätskonstruktionen zu beobachten? Was unterscheidet einen „europäischen“ von einem „post-sowjetischen“ und jenen von einem US-amerikanischen Blick auf diese Thematik? Und inwieweit erweitern südafrikanische und südamerikanische Perspektiven den Blick auf diese Fragestellung?

Der vorliegende Sammelband enthält Beiträge, die in vier Themenbereiche gegliedert sind.

Das Kapitel Group boundaries and identity ist der Diskussion über die Entstehung von Gruppengrenzziehungen und der Aushandlung von Gruppenidentitäten gewidmet. Stefan Rabanus und Haykanush Barseghyan (Eriwan) verdeutlichten anhand der Ergebnisse von Interviews und Fragebögen, wie durch die Wahl der russischen oder armenischen Sprache die Identität der Sprecher im postsowjetischen Armenien konstruiert wird. Rita Vallentin (Frankfurt/Oder) analysiert sprachliche Mittel zur Herstellung von durablen und permeablen sozialen Grenzen in der Quilombo-Gemeinschaft in Brasilien. Bernhard Brehmer (Greifswald) geht der Frage nach, welche Bedeutung die Wahl der kyrillischen Schrift für die symbolische Konstruktion einer „russischen“ Identität unter slavisch-deutschen bilingualen Jugendlichen hat.

In dem Kapitel Ethnic boundaries and minorities stehen insbesondere die ethnischen Grenzziehungen, Selbst- und Fremdausgrenzung und Minderheitenkonflikte im Mittelpunkt. Gemeinsamer Bezugspunkt ist die Frage, welche sprachlichen Kon ← 9 | 10 → struktionsmittel sind es, mit denen die Existenz, die Berechtigung und die Aufrechterhaltung sozialer – insbesondere ethnischer – Gruppen ausgehandelt werden? Lia Melikishvili and Natia Jalabadze (Tbilisi) beleuchten die Rolle von Sprache in der Etablierung von ethnischen Grenzen im multiethnischen Georgien. Maria Klessmann (Frankfurt/Oder) untersucht Rollenzuschreibungen und Selbstpositionierungen am Beispiel von Roma-Schulmediatoren/innen in Deutschland. Sascha Wölck (Berlin) und Christine Rogers (Dresden) diskutieren die Diskriminierung und den sozialen Status von vietnamesisch-amerikanischen Kriegskindern. Harald Weydt (Frankfurt/Oder) interpretiert Sprachkonflikte als Versuche, die eigene Sprache als dominierend durchzusetzen und damit entscheidende Privilegien für die eigene Gruppe zu erlangen. Er zeigt Verfahren auf, Sprachkonflikte zu neutralisieren.

Das Kapitel Boundaries and language islands ist dem Thema der ethnischen Grenzziehung in deutschen Sprachinseln gewidmet. Peter Rosenberg (Frankfurt/Oder) behandelt die Rolle der sprachlichen Grenzen in der Konstruktion von ethnischer Distinktivität am Beispiel deutscher Sprachinseln in Brasilien und in Russland. Ferner berichtet Hans Boas (Austin) über den Spracherhalt deutscher katholischer und lutheranischer Auswanderer und ihrer Nachfahrern in Texas. Joe Salmons, Samantha Litty und Christine Evans (Madison) zeigen am Beispiel der Entstehung und des Gebrauchs deutscher Varietäten in Wisconsin, wie ehemalige ethnische und regionale Grenzen um- und abgebaut werden.

Der Fokus des letzten Kapitels – Language borders and discourse – liegt auf der interaktiven Aushandlung von Grenzen sowie auf der Analyse der sprachlichen Grenze aus struktureller Perspektive. Konstanze Jungbluth (Frankfurt/Oder) behandelt die Konzepte we und the others in den sozialen Interaktionen und diskutiert die Grenzziehungen zwischen den Dialogpartnern in face-to-face-Konversationen. Dagna Zinkhahn Rhobodes (Frankfurt/Oder) untersucht das Konzept der Permeabilität der sprachlichen Grenzen am Beispiel des Sprachgebrauchs an der deutsch-polnischen Grenze. Der Beitrag von Helena Valentim (Lisboa) fokussiert die Grenze als ein metalinguistisches Konzept.

Die sprachliche Konstruktion ethnischer Grenzen steht im Mittelpunkt des Sammelbandes, der ausgewählte Vorträge der internationalen Tagung Linguistic construction of social borders (2013 in Frankfurt/Oder und Słubice) enthält. Unter diesem Thema versammelte die Tagung in Kooperation mit dem Deutsch-polnischen Forschungsinstitut und dem Viadrina Center B/Orders in Motion Wissenschaftler aus Europa, Südafrika, Nord- und Südamerika aus verschiedenen sprach- und sozialwissenschaftlichen Disziplinen, die das Thema der „Grenze“ aus soziolinguistischer Perspektive diskutierten. ← 10 | 11 →