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Von Freinet zu Freud: Die institutionelle Pädagogik von Fernand Oury

Übersetzt von Renate Kock und Erdmuthe Mouchet unter Mitwirkung von Claude Mouchet

Claude Mouchet and Raymond Bénévent

Das Buch widmet sich Fernand Oury (1920–1998), einem der bedeutendsten französischen Pädagogen des 20. Jahrhunderts, der jedoch in Deutschland so gut wie unbekannt ist. Originell und innovativ, führte er das von Célestin Freinet entwickelte pädagogische Konzept weiter und wendete es in den sogenannten Kasernen-Schulen der Pariser Nachkriegszeit an. Parallel dazu orientierte er sich an Freud, um unbewusste Phänomene in Schulklassen aufzuspüren. Die Autoren stellen die einzelnen Lebensetappen Ourys vor und gehen auch auf seine kämpferischen Auseinandersetzungen mit traditionellen Vorstellungen ein. Ihr Buch stellt die Hauptbegriffe der institutionellen Pädagogik vor und veranschaulicht die von Oury «Institutionen» genannten Neuerungen anhand von Beispielen aus seiner Schulpraxis und Äußerungen.
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Einleitung. Die Institutionelle Pädagogik : Ein schwarzes Loch in der Rezeption französischer Pädagogik-Strömungen in Deutschland

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Mit Überraschung muss man feststellen, dass keines der Werke Fernand Ourys, die in Frankreich wirklich erfolgreich waren (vor allem die beiden ersten1), bis heute in die deutsche Sprache übersetzt wurde2. Außerdem ist die institutionelle Pädagogik, die mit dem Namen Ourys verbunden ist, in Deutschland wenig bekannt, wie auch Gérald Schlemminger in seinem Vorwort zur Schrift Pédagogie institutionnelle und Freinet-Pädagogik3, anmerkt. Er betont dort die besondere Schwierigkeit der Übersetzung gebräuchlicher Begriffe dieser pädagogischen Strömung ins Deutsche, denn sie weisen auf nichts in der deutschen Sprache zurück, und wir fügen unsererseits hinzu, dass diese Termini auch an nichts in der pädagogischen Praxis in Deutschland anknüpfen. Er führt als Beispiele das „monnaie intérieure“ (das er mit Klassengeld übersetzt), das „Loi“ (Gebot4), die „ceintures de comportements“ (Gürtel/Stufen des sozialen Verhaltens) an, wobei auch diese Übersetzungen nicht gerade transparent sind. Im Anschluss an seinen Leitartikel, der den wirklich aufschlussreichen Titel Grenzen (in) der Pädagogik5 trägt, ← 9 | 10 → merkt er außerdem an, dass das Genre der Schüler-Monographie – relativ bekannt in Frankreich, und voll entwickelt in der institutionellen Pädagogik – einem Deutschen nichts sagt. Man muss also die Realität und die geringe Durchlässigkeit dieser nationalen Grenzen anerkennen, die den Ideenaustausch zwischen den beiden Ländern ziemlich schwierig gestalten. Umso erstaunlicher ist der Erfolg, an den derselbe Schlemminger erinnert, nämlich der der Freinet-Pädagogik in Deutschland seit den 60er Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts. Genauer...

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