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Sachlichkeit als Argument

Der Beitrag der Allgemeinen Pädagogik zur Lehrerbildung

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Edited By Jürgen Rekus

Aktuelle Lehrerbildungskonzepte legen den Akzent zunehmend auf personale Kompetenzen und relativieren damit die Bedeutung des Unterrichtsgegenstandes für die Gestaltung von Unterricht. Durchsetzungsvermögen und strategisches Handeln sollen das fehlende sachliche Argument kompensieren. Demgegenüber kann die Allgemeine Pädagogik zeigen, dass es im Unterricht nicht um die Durchsetzung einer Sache, sondern um ihren Geltungsanspruch geht. Diesen prüfen zu lernen ist Gegenstand des Unterrichts. Dieser grundlegende Zusammenhang wird von den Autoren des Bandes unter verschiedenen Aspekten entfaltet. Damit wollen sie zugleich an Jürgen-Eckardt Pleines erinnern, der die philosophische Fundierung der Lehrerbildung immer wieder angemahnt hat.
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Willensfreiheit oder praktische Vernunft? (Jürgen-Eckardt Pleines)

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Wenn man anhand der sprachlichen Unterschiede den Ansatz der Nikomachischen Ethik mit der Disposition der Kantischen Moralphilosophie vergleicht, dann fällt dem aufmerksamen Leser auf, dass der für die griechische Ethik zentrale Begriff der prohairesis im deutschen Sprachgebrauch keine genaue Entsprechung findet. Die Übersetzung des Wortes mit Vorzugswahl oder gar mit willentlicher Entscheidung trifft die gemeinte Sache nicht zureichend. M.a.W. die Transformation des Wortes prohairesis in unsere Form des Reden und Denkens will nicht recht gelingen, weil wir unter Absehung des Zwecks des Handelns ohne Umstände auf die menschlichen Begehrungen, die aus ihnen hervorgehenden Absichten und auf die willentlichen Entscheidungen abheben. Deshalb sehen wir im Begriff der prohairesis einen empfindlichen Mangel, nachdem wir aus der jüngeren Tradition gelernt haben, das Wesen des Handelns aus willentlichen Akten herzuleiten.

Ein derartiges Handlungskonzept wurde beispielsweise in der NIKOMACHISCHEN ETHIK des Aristoteles gar nicht ausgebildet, ohne dass man auf Anhieb das Gefühl hätte, um die Bestimmungen eines einsichtigen und vertretbaren Handelns betrogen worden wären. Es fragt sich deshalb rückblickend, ob die antike Handlungstheorie, der wir womöglich nichts Vergleichbares vorzuweisen haben, ihren Gegenstand kategorial verkürzte oder verzerrte. Diese gedankliche Konstellation ethisch-praktischen Wissens, die offensichtlich die griechische Philosophie weitgehend bestimmte, änderte sich erst, als sich unter dem Eindruck der jüdisch-christlichen Tradition und deren Wertvorstellungen die philosophischen Kriterien des Schönen, des Guten und Gerechten gedanklich überprägt und durch den Gottesbezug spezifisch verändert wurden.

Bezeichnend für diese Wende im praktischen...

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