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Franz Brentano-Carl Stumpf: Briefwechsel 1867–1917

Unter Mitarbeit von Thomas Binder

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Margret Kaiser-El-Safti

Mit diesem Band liegt erstmals seit fast hundert Jahren eine Veröffentlichung des Briefwechsels zwischen Franz Brentano und Carl Stumpf vor. Die beiden Philosophen gelten als Wegbereiter der international und interdisziplinär konzipierten phänomenologischen Bewegung, die Stumpfs Beitrag infolge seines stark musikpsychologisch relevanten Ansatzes bislang nicht angemessen rezipierte. In einer Zeit radikaler Paradigmenwechsel in der Wissenschaftsentwicklung vermitteln die Briefe Wendepunkte in der zunächst gemeinsam, später kontrovers vertretenen Idee von einer neuen wissenschaftlichen Philosophie, die heute noch aufschlussreich sind für das Verhältnis von Philosophie und Psychologie. Die Briefe lassen aber auch die persönlichen, zum Teil dramatischen Hintergründe dieses wohl einmaligen Freundschaftsverhältnisses erkennen.
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Einleitung: Margret Kaiser-el-Safti

1.Die epistemische Brisanz des Projekthintergrunds

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Einleitung

Margret Kaiser-el-Safti

Von heute her betrachtet ist in der Tat schwer nachvollziehbar, warum Briefe von der Bedeutung wie die jetzt mit fast hundertjähriger Verspätung zu veröffentlichenden, so lange auf ihre Publikation und auf ihr Publikum warten mussten. Das nach dem Zweiten Weltkrieg radikal veränderte Klima in der deutschsprachigen Philosophie und Psychologie sollte nicht Anlass genug gewesen sein, mit einem gewissen Abstand zu den unheilvollen europäischen Entwicklungen, Fragen zu formulieren und Material zu recherchieren, die Auskunft darüber geben konnten, ‚wes Geistes Kind‘ in der Zeit vor den politischen Katastrophen und noch weitgehend unbeeinflusst durch sie, den Ton angegeben hatte? Diesbezügliche letztgültige Antworten zu formulieren, kann freilich nicht Gegenstand dieser Einleitung sein; aber wer auch nur von Ferne den radikalen Bruch zwischen einer Forschungsmentalität nach Ende des Zweiten Weltkrieges und Zielsetzungen, die sich schon im 19. Jahrhundert zu artikulieren begannen, konstatiert, die sodann in der sogenannten ‚phänomenologischen Bewegung‘ Gestalt annahmen, kann sich nur wundern, warum gerade in Sachen ‚wissenschaftliche Psychologie‘ und einer noch mit der Psychologie sympathisierenden Philosophie so gut wie nichts geschah, um ein wertvolles Gedankengut wieder zugänglich und attraktiv zu machen. Gerade Briefe vermögen häufig auf andere Weise als eine wie immer zu rechtfertigende ‚Objektivität‘ aus tieferliegenden Quellen der wissenschaftlichen Wahrheit näher zu rücken. Allerdings handelt es sich bei dem Briefwechsel zwischen Brentano und Stumpf um ein – aus durchaus verschiedenen Gründen – reichlich komplexes Gebilde, worauf im Folgenden so...

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