Show Less
Restricted access

Interferenzfehler deutschlernender Aserbaidschaner

Morpho-syntaktische und lexiko-semantische Interferenzfehler beim gesteuerten und ungesteuerten Fremdsprachenerwerb

Pari Isakova

Bis Anfang der 1990er Jahre war die Erforschung des Deutscherwerbs der Aserbaidschaner aus politisch-historischen Gründen ausschließlich aus der Perspektive des Deutschen als Fremdsprache möglich. Mit der Wende und der Migration der ehemaligen Sowjetbürger, darunter auch Aserbaidschaner, in die BRD bekam Deutsch für die aserbaidschanischen Einwanderer auch den Status des Deutschen als Zweitsprache. Die aus einem theoretischen und einem empirischen Teil bestehende Arbeit erforscht den Einfluss des Aserbaidschanischen als Muttersprache auf den Erwerb des Deutschen sowohl als Fremd- als auch Zweitsprache. Unter anderem geht sie der Frage nach, ob sich die Interferenzfehler der aserbaidschanischen Deutschlernenden beim gesteuerten und ungesteuerten Fremdsprachenerwerb voneinander sowohl qualitativ als auch quantitativ unterscheiden.
Show Summary Details
Restricted access

7. Morpho-syntaktische Interferenzfehler

Extract

7.1 Genus der Substantive

Ein wichtiger Unterschied zwischen dem Aserbaidschanischen und Deutschen ist, dass Aserbaidschanisch kein grammatisches Geschlecht und keinen Artikel kennt. Die Substantive sind also weder männlich noch weiblich oder sächlich. Ein aserbaidschanisches Nomen sagt nichts über das Geschlecht, die Bestimmtheit oder Unbestimmtheit aus. Dementsprechend ist es für Aserbaidschaner sehr schwer, sich eine Vorstellung von Genus und Artikeln zu machen und sie sich einzuprägen. Laut Czochralski (1971) führt das Fehlen einer Kategorie in der Muttersprache sehr häufig zu interlingualen Interferenzen in der Zielsprache, in der diese Kategorie ausgedrückt werden muss. Wie die Ergebnisse unserer Untersuchung zeigen, bereitet die Nullentsprechung in der Genuskategorie im Aserbaidschanischen den aserbaidschanischen Lernenden große Schwierigkeiten und führt zu den Normabweichungen im Deutschen.

Unproblematisch ist es für aserbaidschanische Deutschlerner, wenn es sich um die Substantive handelt, deren grammatisches Geschlecht mit dem natürlichen übereinstimmt, wie z. B.: der Mann, die Frau, der Sohn, die Tochter. In allen anderen Fällen, falls sie den Artikel des jeweiligen deutschen Lexems nicht auswendig lernen, gehen sie nach ihrer muttersprachlichen Vorstellung vor und wählen den Artikel aus, der dem natürlichen Geschlecht des jeweiligen Substantivs am nächsten ist. Im Genusbereich, genauso wie bei den Artikeln, der Pluralbildung und Adjektivdeklination, geht es nicht um eine direkte Übertragung der muttersprachlichen Strukturen. Die Interferenzfehler werden in diesem Fall durch eine Nullentsprechung zwischen den grammatischen Strukturen der Ziel- und Muttersprache verursacht.

Ausnahmen bilden im Aserbaidschanischen einige...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.