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«Weiße Bruderschaft» und «Delphische Idee»

Esoterische Religiosität in Bulgarien und Griechenland in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts

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Thomas Heinzel

Diese religionswissenschaftliche Studie untersucht in vergleichender Perspektive zwei Manifestationen der sogenannten Esoterik in Südosteuropa: die religiöse Bewegung Weiße Bruderschaft des Bulgaren Petăr Dănov (1864-1944) und das utopische Erlösungsprojekt Delphische Idee des Griechen Angelos Sikelianos (1884-1951). Der Verfasser analysiert zum einen, auf welche Weise die beiden Protagonisten soziale Anerkennung für ihre religiösen Wahrheitsansprüche zu gewinnen und eine Anhängerschaft zu mobilisieren versuchen. Zum anderen beleuchtet er das gegenseitige Verhältnis von esoterischer Religiosität und offizieller Kirche im regionalen und historischen Kontext des orthodoxen Südosteuropa. Eine weitere Betrachtung gilt den rituellen und inszenatorischen Aspekten von Weißer Bruderschaft und Delphischer Idee.
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Theorie und Methodik

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Pierre Bourdieu (1930–2002) bezeichnet seine soziologische Theorie als „Praxeologie“, d.h. er legt ein theoretisches Modell vor, mit dem das, was Menschen in einer Gesellschaft tun (= soziale Praxis) erfasst werden kann. Gesellschaftliches Handeln findet dieser Konzeption zufolge in sozialen Feldern statt, die miteinander in Beziehung bzw. Wechselwirkung stehen und sich mitunter auch überlappen. Soziale Felder sind zum Beispiel das Bildungswesen, Politik, Wirtschaft, Kunst oder Religion, allesamt mit diversen Unterfeldern. Alle Felder zusammen konstituieren eine Gesellschaft. An dieser Stelle ist zu betonen, dass der Feldbegriff bei Bourdieu rein relational ist – ein Feld ist „ein Raum von objektiven Relationen zwischen Positionen, die durch ihren Rang in der Distribution der Macht oder der Kapitalsorten definiert sind.“25 Diese Positionen werden von individuellen wie von kollektiven bzw. institutionellen Akteuren besetzt. Die Position, die ein Akteur einnimmt, wird hauptsächlich dadurch bestimmt, wie viel Kapital er besitzt. Dies ist der zweite zentrale Begriff in Bourdieus Praxeologie; der französische Soziologe sieht das menschliche Handeln in Gesellschaften als Streben nach bzw. Wettkampf um verschiedene Kapitalsorten, entsprechend den jeweiligen Feldern, in denen die Praxis sich vollzieht. Allgemein sind dabei drei Hauptarten von Kapital zu unterscheiden: Erstens, ökonomisches Kapital in Form von Geld, materiellem Besitz, Immobilien, Aktien, Wertanleihen, Besitzrechten; zweitens, soziales Kapital als Netz sozialer Beziehungen oder Mitgliedschaft in Gruppen, Organisationen, Verbänden etc.; drittens, kulturelles Kapital, welches in drei Formen vorkommt: objektiviert (Bücher, Kunstwerke, Bilder, technische Instrumente), inkorporiert (kulturelle Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten eines Individuums) und institutionalisiert (Abschlusszeugnisse, Titel, Zertifikate u.ä.).26

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