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«Weiße Bruderschaft» und «Delphische Idee»

Esoterische Religiosität in Bulgarien und Griechenland in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts

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Thomas Heinzel

Diese religionswissenschaftliche Studie untersucht in vergleichender Perspektive zwei Manifestationen der sogenannten Esoterik in Südosteuropa: die religiöse Bewegung Weiße Bruderschaft des Bulgaren Petăr Dănov (1864-1944) und das utopische Erlösungsprojekt Delphische Idee des Griechen Angelos Sikelianos (1884-1951). Der Verfasser analysiert zum einen, auf welche Weise die beiden Protagonisten soziale Anerkennung für ihre religiösen Wahrheitsansprüche zu gewinnen und eine Anhängerschaft zu mobilisieren versuchen. Zum anderen beleuchtet er das gegenseitige Verhältnis von esoterischer Religiosität und offizieller Kirche im regionalen und historischen Kontext des orthodoxen Südosteuropa. Eine weitere Betrachtung gilt den rituellen und inszenatorischen Aspekten von Weißer Bruderschaft und Delphischer Idee.
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Manifestationen esoterischer Religiosität

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1.1 Biographisch-historischer Überblick

1938 erscheint in London ein Reisebericht120 des Sachbuchautors und Journalisten Rom Landau (1899–1974). Der gebürtige Pole Landau, dessen Hauptinteresse die islamisch-arabische Kultur sowie das Thema Religion im Allgemeinen ist, hat in den beiden Vorjahren mehrere Länder Südosteuropas und des Nahen Ostens besucht, um Einblick in aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen und das jeweilige religiöse Leben zu erhalten. Seine Reise führt ihn auch nach Bulgarien: Er beschäftigt sich mit der Stellung der Orthodoxen Kirche und der Religiosität „des Bulgaren“ im Allgemeinen, mit der Rolle des Königs und den politischen Tendenzen, spricht mit Politikern und einem Vertreter der akademischen Philosophie. Darüber hinaus wird seine Aufmerksamkeit auf den Namen Petăr Dănov gelenkt; Vertreter der Weißen Bruderschaft laden ihn zum frühmorgendlichen Paneurhythmie-Ritual in die Siedlung der Bewegung am Stadtrand von Sofia ein:

When I arrived at the appointed time the sun was only just rising and the morning was cool. On a large field 200–300 men and women were executing rhythmical movements – half physical exercises, half folk-dances. The music was provided by a few fiddles and flutes and occasional singing of the dancers themselves. Dunoff conducted the exercises from the centre of the field. The vigour with which he did it was surprising for a man of his age. […] Among the dancers there were men and women who looked like peasants and labourers, others who were obviously better off, intellectuals and several...

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