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Ausbildungsabbruch und Biographie

Über Prozesse, Mechanismen und Wechselwirkungen in Lebensverläufen von Personen mit vorzeitiger Vertragslösung in der Berufsausbildung

Sebastian Klaus

Die vorzeitige Vertragslösung in außerakademischen Berufsausbildungen (Ausbildungsabbruch) ist seit Jahrzehnten ein regulärer Bestandteil des öffentlichen und wissenschaftlichen Diskurses. Diese Untersuchung beleuchtet das Phänomen erstmals aus biographieanalytischer Perspektive und löst sich vom Fokus auf Gründe, Motive und Quoten. Das Ergebnis ist ein Prozessmodell eines typischen Verlaufs von der Kindheit bis hin zur biographischen und beruflichen Neuorientierung nach dem Ereignis. Das Prozessmodell zeigt nicht nur, dass die Entwicklungsgeschichte der Personen keineswegs so individuell ist, wie bislang angenommen wird. Es liefert ebenso Erklärungsmuster zu den Ursachen sowie Auswirkungen einer vorzeitigen Vertragslösung und eröffnet neue Ansatzpunkte zur Prävention beziehungsweise Kompensation.
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2 Forschungsstand und forschungsleitende Grundlagen

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2.1 Zur vorzeitigen Vertragslösung in der Berufsausbildung - Zum Forschungsstand

Dieser erste Abschnitt ist der theoretischen Auseinandersetzung mit der Thematik der vorzeitigen Vertragslösung innerhalb der Berufsausbildung gewidmet. Er soll in die einzelnen Teilbereiche des Gegenstandes einführen, welche im Kontext der wissenschaftlichen Erkenntnisse erörtert werden. Als zentral erweisen sich die Berufsausbildung und die vorzeitige Vertragslösung. Das dritte Hauptthema - die Biographien der Betroffenen - schwingt hierbei stetig mit und unterliegt diesbezüglich einer unterschwelligen Einordnung in die weiteren Kernpunkte. So wird beispielsweise unter 2.1.1 vorzugsweise die Berufsausbildung in den Kontext des sozialen Wandels gesetzt. Vor allem durch die sich verändernden Anforderungen innerhalb der (berufs-)biographischen Planung und Orientierung der Jugendlichen sind diese Themenkomplexe nur schwer voneinander zu trennen. Im Zuge des sich stetig vollziehenden sozialen Wandels, bei dem durch die Kanonisierung der individuellen Verantwortung in den letzten Jahrzehnten ein starker Schub zu erkennen ist, zeigt es sich von Interesse, in welcher Form die Berufswahl, das Duale System der Berufsausbildung in Deutschland und deren Funktionen Veränderungen unterliegt. Im gleichen Atemzug muss ebenso die sich wandelnde Deutung von Arbeit und Beruf, insbesondere in Anbetracht der Integration und Identifikation des Einzelnen, mit einbezogen werden. Die Deutungen, die im öffentlichen Diskurs vorherrschen, bestimmen zwangsläufig die des Einzelnen und die Selbstdeutung des Individuums. Sie werden so zu relevanten Aspekten der Berufswahl, des Aufbaus einer Berufsbiographie und damit der Positionierung innerhalb der Gesellschaft. Dieser erste Teil soll insofern die Sinnzusammenhänge zwischen den sich ver...

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