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Ausbildungsabbruch und Biographie

Über Prozesse, Mechanismen und Wechselwirkungen in Lebensverläufen von Personen mit vorzeitiger Vertragslösung in der Berufsausbildung

Sebastian Klaus

Die vorzeitige Vertragslösung in außerakademischen Berufsausbildungen (Ausbildungsabbruch) ist seit Jahrzehnten ein regulärer Bestandteil des öffentlichen und wissenschaftlichen Diskurses. Diese Untersuchung beleuchtet das Phänomen erstmals aus biographieanalytischer Perspektive und löst sich vom Fokus auf Gründe, Motive und Quoten. Das Ergebnis ist ein Prozessmodell eines typischen Verlaufs von der Kindheit bis hin zur biographischen und beruflichen Neuorientierung nach dem Ereignis. Das Prozessmodell zeigt nicht nur, dass die Entwicklungsgeschichte der Personen keineswegs so individuell ist, wie bislang angenommen wird. Es liefert ebenso Erklärungsmuster zu den Ursachen sowie Auswirkungen einer vorzeitigen Vertragslösung und eröffnet neue Ansatzpunkte zur Prävention beziehungsweise Kompensation.
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3 Theoretisches Modell

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3.1 Der Berufswahlprozess

3.1.1 Biographische Determination

Die im Forschungsfeld interviewten Personen mit vorzeitiger Vertragslösung entstammen nicht zwangsläufig sozial benachteiligten oder problembeladenen Familien. Gut 43% empfinden ihre Kindheit und Jugend als prekär. Alle anderen charakterisieren sie als behütet und/oder intakt. In Bezug zu den gesamten Familienverhältnissen im Forschungsfeld mag dies zwar eine leichte Häufung der problembeladenen Familien darstellen, doch wird darüber deutlich, dass nicht ein heikles Elternhaus als Basis einer späteren vorzeitigen Vertragslösung zu verstehen ist.

In den prekären Familien kommt es vor allem zu Problemen zwischen den jeweiligen Familienmitgliedern, sei es nun zwischen den Eltern, den Geschwistern, der Primär- und Sekundärfamilie oder zwischen den Generationen. Zur Folge hat dies für die Biographieträger eine frühe Anhäufung von Verlaufskurvenpotential, welches sie, ob nun in der Kindheit und/oder Jugend, bearbeiten müssen. Zu einer Verlaufskurve in den Familien, als Extrembereich des problembeladenen Familienlebens, kommt es bei den hier Befragten nur in knapp 17%. Sie zeichnet sich in der Regel als Verlaufskurve eines Elternteils ab, die die gesamte Familie derart determiniert, dass keine geregelte und harmonische Beziehung zwischen Mitgliedern der Familie möglich ist. Die Versuche der Betroffenen, ein labiles Gleichgewicht aufrechtzuerhalten, bedürfen der biographischen Arbeit aller Familienmitglieder. In allen prekären Familiensituationen, ob nun mit oder ohne ausgebrochene Verlaufskurve, zerstören die Familienprobleme die Fokussierung des schulischen Ablaufmusters bei den Biographieträgern. Unter Zentrierung der Lebenswelt Familie wird...

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