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Die fragile Großmacht

Die Donaumonarchie und die europäische Staatenwelt 1866–1914- Teil 1 und 2

Walter Rauscher

Der Großmachtstatus der Donaumonarchie stand nach der Niederlage bei Königgrätz mehr denn je in Frage. Das Habsburgerreich musste sich außenpolitisch neu orientieren. Das Bestreben, die Nachbarn in Südosteuropa in die eigene Einflusssphäre zu ziehen, führte zur Rivalität mit Russland. Der Ballhausplatz versuchte, mit Bündnissen und freundschaftlicher Kooperation diesen Antagonismus einzudämmen und für den Ernstfall über Alliierte zu verfügen. Die kaiserlich und königliche Außenpolitik sah sich tatsächlich auch in den Jahrzehnten nach 1866 wiederholt mit ernsten Krisen konfrontiert. Etwa seit der Jahrhundertwende verschlechterte sich die Situation für Österreich-Ungarn kontinuierlich. Die Doppelmonarchie fürchtete sowohl um ihre internationale Position als auch um ihre weitere Existenz als Vielvölkerstaat.
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Österreichs Außenpolitik vom Wiener Kongress bis Königgrätz: Eine Tour d’Horizon

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Die Großmachtstellung Österreichs war bereits nach den Napoleonischen Kriegen zerbrechlich. Sie beruhte auf einem sorgfältig austarierten Bündnis der europäischen Kabinette gegen Revolution und Bonapartismus. Weit über eine Generation hinaus profitierte die Donaumonarchie in hohem Maße von der Solidarität der Mächte. Sie hatte dank der den Frieden und die alte Gesellschaftsordnung bewahrenden Konsensdiplomatie ihres Staatskanzlers, Clemens Lothar Wenzel, Fürst von Metternich, nach dem Wiener Kongress eine Stellung erworben, die es ihr ermöglichte, die internationale Politik zu kontrollieren und damit ihre gefährdete Position in Deutschland, Italien und im Orient zu behaupten.1 Überragende Bedeutung besaß dabei für das Habsburgerreich eben die Partnerschaft mit mindestens einer Großmacht, die es ihm ermöglichte, den eigenen Status zu bewahren.2

So stellte sich das Kaisertum an der Donau seit 1815 bloß als eine Großmacht von Gnaden einer anderen Großmacht oder gar des Europäischen Konzerts dar. ← 11 | 12 → Nach diesem Jahrzehnte währenden Status sah sich dieses so zerbrechliche Reich schlussendlich in größter Not gezwungen, eine außenpolitische Hypothek aufzunehmen: Als während der Revolutionswelle in Europa von 1848/49 Österreich – als einzige der Großmächte – in seinem Fortbestand ernsthaft in Frage gestellt war, bedurfte es nicht zuletzt fremder Hilfe in Form des Einsatzes eines russischen Expeditionskorps, um den ungarischen Aufstand niederzuschlagen. Nach Petersburger Auffassung befand sich die Habsburgermonarchie damit fortan in der Schuld des Zarenreichs.3

Mit dem Krimkrieg schien sodann für das durch Felix...

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